Geschichte des
Liberalismus
Die Anfänge
der Freiheit
1215
Mit der Magna Charta Libertatum wurde der englische König von den Baronen
gezwungen, die grundlegende politische Freiheiten des Adels gegenüber dem
englischen König zu verbriefen.
1688
Die Glorious Revolution war nicht nur für Englang bedeutend, sondern für die
Entwicklung des Parlamentarismus weltweit. Seit dem 18. Jahrhundert nahmen immer
mehr Staaten das englische Regierungssystem zum Vorbild.
1689
Die Bill of Rights regelt die Rechte des englischen Parlaments gegenüber dem
Königtum und gilt als eines der grundlegenden Dokumente des Parlamentarismus.
1690
John Locke
(1642-1704) bildet zusammen mit
George Berkeley
(1684–1753) und
David
Hume (1711–1776) das große Dreigestirn der englischen Aufklärung und des
aufkommenden Empirismus.
1700
Die Whigs-Party in England gründet sich und tritt für einen
politischen und
wirtschaftlichen Liberalismus ein.
Die Lehre der Whigs stellt die erste Strömung des Liberalismus dar.
1748
Charles-Louis
de Secondat, Baron de La Brède et de Montesquieu
veröffentlicht sein Werk De l'esprit des lois
(Vom
Geist der Gesetze). Das Buch gilt als Begründung des Konzepts der Gewaltenteilung.
1776
Die Bill of Rights von Virginia bilden die ersten zehn Zusätze zur Verfassung
der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie gewähren den Einwohnern im Rahmen einer
freien und demokratischen Gesellschaft bestimmte unveräußerliche Rechte.
1776
Mit
Der Wohlstand der Nationen (engl.: An Inquiry into the Nature and Causes of
the Wealth of Nations) erscheint das berühmteste ökonomische Hauptwerk
von Adam Smith. Dieses Werk wird als Geburtsstunde
der Nationalökonomie angesehen.
1787
Verkündung der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika.
1787 / 1789
Französische Revolution mit der
Erklärung der Menschrechte.
Die Französische Revolution ist der Ausgangspunkt der zweiten liberalen
Strömung, die über den Sozialliberalismus im Sozialismus endet.
1807/1812
Abschaffung der Leibeigenschaft und Schaffung Gewerbefreiheit,
Judenemanzipation, Heeres- und Universitätsreformen (v. Stein, v. Hardenberg, v.
Humboldt) in Preußen.
Freihandel und
Deutsche Revolution
1831
In der Schweiz wird die "Patriotische Assoziation" gegründet, die sich als "Schutzverein für die Freiheit" bezeichnete. Sie kann als ein Vorläufer der FDP
der Schweiz betrachtet werden.
1832
Beim Hambacher Fest bekennen sich 25.000 Menschen zu den Forderungen die
Freiheit betreffend (Liberalismus) und nationaler Einheit und Freihandel.
1839
In Englang wird die Anti-Corn Laws League, eine
Freihandelsbewegung, in Manchester
gegründet. Einer ihrer populärsten Vertreter ist
Richard Cobden.
1840
In England schießen sich die Whigs und
die Radikalen zur Liberal-Party zusammen.
1844
Frédéric Bastiat
begründet mit
Über den Einfluss der
französischen und englischen Zölle auf die Zukunft beider Länder
(franz.: L'influence des tarifs anglais et francais)
die Freihandelsbewegung in
Frankreich.
1846
Nach dem Wahlsieg der Liberal-Party werden die Corn Laws
abgeschafft. Damit
wurde der Hunger in England besiegt und eine Zeit des allgemeinen Wohlstands
begann.
1847
In Heppenheim beschließt eine Gruppe von Liberalen ein Programm, das die Einigung Deutschlands
und eine bessere Vertretung des Volkes fordert.
1848
Während der bürgerlichen Revolution werden liberale Reformgesetze erlassen. Die
liberalen
Gruppen verfügen über die absolute Mehrheit in der ersten Deutschen Nationalversammlung.
1849
Am 27. März beschließen die Abgeordneten der verfassungsgebenden Versammlung in
der Paulskirche in Frankfurt am Main die Deutsche Verfassung
(Paulskirchenverfassung). Im Juli wurde die Revolution schließlich von
preußischen und österreichschen Truppen blutig niedergeschlagen.
1859
Der
englische Philosoph und Ökonom
John Stuart Mill bringt sein Buch das
Über die Freiheit
(engl.: On Liberty) heraus. Das
Mill-Limit gilt als eines der Grundlagen
des klassischen Liberalismus, als dessen Vollender häufig Mill angesehen wird.
Gründung des
Deutschen Nationalvereins als erste organisatorische liberale Vertretung.
1860
Aufgrund der positiven
Erfahrung mit dem Fall der Corn Laws schufen Frankreich und Großbritannien ein
Freihandelsabkommen, das die Abschaffung der meisten Handelshemmnisse
beinhaltete.
1861
Mitglieder des 1859 gegründeten Deutschen Nationalvereins und der
Berliner Demokraten gründen die erste
moderne politische Vereinigung: die
Deutsche Fortschrittspartei.
Deutsche Einheit
und erster Weltkrieg
1867
Beginn des Zerfalls des deutschen
Liberalismus. Erste Spaltung des organisierten deutschen Liberalismus durch die
Gründung der
Nationalliberalen
Partei, die als stärkere Partei im Reichstag die
Politik des Konservativen Kanzlers Bismarck.
1868
Zweite Spaltung der Fortschrittspartei mit Gründung der
Deutsche
Volkspartei
1969
Mit Das preußische Staatsschuldenwesen und die preußischen Staatspapiere
empfiehlt sich Eugen Richter, der spätere
Gründer der
Deutschen Freisinnigen Partei (1884), als
Finanzfachmann.
1871
Der Ökonom David Ricardo entwickelt in sein
Hauptwerk
Grundsätze der politischen Ökonomie
(engl.:
Principles of Political Economy and Taxation)
die Theorie der komparativen
Kostenvorteile, einem Kernpunkt der Außenhandelstheorie
1894
Gründung der Freisinnigen Demokratischen Partei der Schweiz
(FDP).
1896
Gründung des Nationalsozialen Vereins durch Friedrich Naumann. Er fordert vom
Staat die Übernahme sozialer Verpflichtungen (Sozialliberalismus, eine
Verbindung von Marktwirtschaft und Wohlfahrtsstaat) und plädiert
für ein demokratisches Kaisertum.
1906
Mit Eugen Richter stirbt der letzte entschiedene liberale Politiker
Deutschlands.
Das
Sozialistische Jahrhundert
Zwischen den
Weltkriegen
1918
Gründung der linksliberalen
Deutschen Demokratischen Partei durch
Friedrich
Naumann sowie der nationalliberalen
Deutschen Volkspartei
mit
Gustav Stresemann.
1919
Die Nationalversammlung gibt Deutschland eine liberal ausgerichtete Verfassung
und vergisst die Zustimmung des Volkes einzuholen.
1922
Ludwig vom Miese veröffentlicht sein Buch
Die Gemeinwirtschaft
(engl. Human Action)
und zeigt auf,
warum ein Planwirtschaft niemals zum Erfolg führen kann.
1926
Gustav
Stresemann erhält aufgrund seiner ausgehandelten
Locarno-Verträgen von 1925 (Gegenseitigen Verzicht Deutschlands,
Frankreichs und Belgiens auf eine gewaltsame Veränderung ihrer gemeinsamen
Grenzen) den Friedensnobelpreis.
1927
Ludwig von Mises veröffentlicht sein Werk
Liberalismus
(engl.: Liberalisem) und beweist, dass die Planwirtschaft
nicht funktionieren kann. Mises beeinflusst die Denkweise des
Libertarismus.
1938
An dem Colloque Walter Lippman in Paris nahmen 26 Liberale teil und arbeiteten
eine neue Form des Liberalismus heraus; dieser bekam während des Colloques von
Alexander Rüstow den Namen Neoliberalismus.
1947
Friedrich August von Hayek lädt unter dem Namen
Mont Pèlerin Society 36 liberale
Wirtschaftswissenschaftler, Philosophen, Historiker, Politiker und andere – zu
einem Treffen am Mont Pèlerin (nahe Montreux) in der Schweiz ein.
Alfred Müller-Armack gibt der maßgeblich von den
Ökonomen der Freiburger Schule entworfenen
Wirtschaftsordnung für den westlichen Teil Deutschlands den Begriff
Soziale Marktwirtschaft.
1948
Gründung der Freien Demokratischen Partei (FDP) unter den Vorsitz von
Theodor Heuss.
1949
Das von Liberalen maßgeblich geprägte Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
wird verkündet aber nie vom Volk genehmigt.
Theodor Heuss wird zum ersten
Bundespräsidenten gewählt.
1959
Aus dem Verband der Unabhängigen (VdU) gründet sich die Freiheitliche Partei
Österreichs (FPÖ).
1960
Mit
Die Verfassung der Freiheit
stellt Friedrich August von Hayek
seine Sicht des Liberalismus vor.
1962
Mit seinem Werk
Kapitalismus und Freiheit
(engl.:
Capitalism and Freedom)
unterbreite Milton Friedman Vorschläge für
eine Liberalisierung der Wirtschaft.
1963
Milton Friedman veröffentlicht sein Werk
Monetäre Geschichte der Vereinigten Staaten (engl.: A Monetary History of the United States) und widerlegt damit Keynes.
1971
Die FDP beschließt die
Freiburger Thesen für eine liberale Gesellschaftspolitik
und übernimmt sozialliberale Punkte in das Parteiprogramm.
Das Blatt
wendet sich
1979
Im Vereinigten Königreich kommt es nach den Parlamentswahlen zu einem
Regierungswechsel. Die konservativen Torries unter
Magert Thatcher beginnen die
Wirtschaft zu liberalisieren.
1981
Mit der Wahl des Republikaners
Ronald Reagan zum amerikanischen Präsidenten
erfolgt eine Wende in der Wirtschaftspolitik. Reagan setzt im Wesendlichen die
Politik von Friedman um.
1982
Auch in Deutschland werden nach der Wende liberale
Wirtschafsreformen angegangen. Es beginnt ein allgemeiner Aufschwung in Europa.
1986
Mit der Wahl Jörg Haiders zum Parteiobmann, driftet die FPÖ über den
nationalliberalen Rand hinaus in das national Konservative Lager. Es folgt wenig später
der Ausschluss aus allen internationalen liberalen Organisationen.
1989
Hans-Dietrich Genscher (Außenminister,
Vizekanzler und FDP-Vorsitzender) tritt am 30.Aseptember auf den Balkon der Deutschen
Botschaft in Prag um vor 4.000 DDR-Flüchtlingen zu sprechen. Noch in der
allgemeinen Verwirrung begann Genscher mit den Worten: „Liebe Landsleute, ich
bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...“
Er kam nicht weiter.
1990
Neugründungen liberaler Parteien in der DDR: Deutsche Forumpartei (DFP) und FDP
der DDR, während sich die LDPD reformiert. Um die Chancen der liberalen Parteien
bei den ersten freien Wahlen zu erhöhen, konstituiert sich der Bund Freier
Demokraten (BFD), dem später auch die NDPD beitritt. Am 11. August in Hannover
Vereinigung der Liberalen in Ost und West zu einer gesamtdeutschen liberalen
Partei, der FDP.
1993
Ein Gruppe von FPÖ-Mitgliedern gründet das Liberale Forum. Damit hat Österreich
wieder eine liberale Partei ohne nationalliberalen Einschlag.
1998
Bei der Bundestagswahl in Deutschland wird die SPD stärkste Partei, die FDP
erreicht mit 6,2% ihr zweitschlechtestes Ergebnis und geht nach 1965 erst mal
wieder in die Opposition.
1997
Der Bundesparteitag in Wiesbaden beschließt das neue Grundsatzprogramm der FDP,
die "Wiesbadener Grundsätze - Für die liberale Bürgergesellschaft."
1999
Roland Baader, Schüler von von Hayek, veröffentlicht sein Buch
Die belogene Generation.
2008
Der Libertäre republikanische Präsidentschaftskandidat Ron Paul wird zum meist
gelesenen Politiker im Internet. Seine Ron-Paul-Revolution erfasst auch die
liberale Bewegung in Europa.
Liberalismus-Portal:
25.09.2008
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