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Globalisierung macht wohlhabendvon Dr. Adolf Rasch
"Dass
aber alle heute reicher wären, wenn nicht durch die Schutzzollpolitik die
Produktion künstlich von den günstigeren örtlichen Produktionsbedingungen zu
den weniger günstigen hingedrängt würde, ist klar. Bei vollkommener Freiheit
des Handelsverkehrs würden Kapital und Arbeit dort angesetzt werden, wo sich
die günstigsten Produktionsbedingungen bieten."
Ludwig von Mises Die Bedeutung des FreihandelsIn
der Außenhandelspolitik gibt es seit Jahrhunderten zwei gegensätzliche
Konzeptionen:
Der
Freihandel intensiviert den Wettbewerb auf internationaler Ebene und bewirkt
dadurch, dass sich die jeweils beste Kombination der Produktionsfaktoren
durchsetzen kann. Der Kunde bekommt unter diesen Voraussetzungen die maximal mögliche
Gütermenge für sein Geld. Der Wettbewerb ist eine unentbehrliche Voraussetzung
für den gesellschaftlichen Fortschritt. Die
Globalisierung ist nur ein weiterer Schritt im historischen Prozess der
Ausweitung des Wettbewerbs. In primitiven Gesellschaften lebte jedes Dorf nahezu
in Autarkie. Allmählich erhöhte sich der Warenaustausch mit den Nachbardörfern,
dann wurden die Wirtschaftstreibenden der Region einbezogen und schließlich
bildete sich auf nationaler Ebene ein einheitlicher Wirtschaftsraum. Diese
Jahrhunderte dauernde Entwicklung hat sich vollzogen, weil sie allen Beteiligten
Vorteile brachte. Im 19. Jahrhundert ermöglichte die Dampfschifffahrt, der
Ausbau des Eisenbahnnetzes und die Entwicklung der Telekommunikation, den
internationalen Handel auszubauen. Die heute oft sensationalistisch dargestellte
Globalisierung ist nichts anderes als die Fortführung eines Trends, der bereits
seit langer Zeit wirksam ist. Der
vom Wettbewerb ausgehende Anpassungsdruck ist auch im Binnenhandel wirksam. Wenn
ein Bäcker im Dorf A wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommt, weil der Bäcker
im Nachbardorf B die Brötchen billiger anbietet, dann erheben selbst fanatische
Globalisierungsgegner nicht die Forderung, den Bäcker in A vor der
Dumping-Konkurrenz aus B zu schützen. Wie ist es dann möglich, dass derartige
Forderungen gegenüber Anbietern aus dem Ausland erhoben werden? Warum sollen
inländische Unternehmen im Außenhandel einen größeren Wettbewerbsschutz
haben als im Binnenhandel? Die Gegner des Freihandels appellieren, bewusst oder
unbewusst, an nationalistische Instinkte und fremdenfeindliche Einstellungen. Dabei
ist es völlig unsinnig zu glauben, dass Importe schädlich seien und
Handelsbeschränkungen jenen nutzten, die sie verhängen. Einfuhrbeschränkungen
schaden immer den Konsumenten, die dadurch verurteilt werden, höhere Preise zu
bezahlen. Die Produzenten in den wettbewerbsfähigen Teilen der Wirtschaft würden
ihre ausländischen Absatzmärkte verlieren, da das Ausland auf eine
Diskriminierung seiner Produkte mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren müsste.
Selbst die durch eine Marktöffnung in den nicht wettbewerbsfähigen
Wirtschaftszweigen freigesetzten Arbeitskräfte könnten nach einer
Anpassungsperiode neue Arbeitsmöglichkeiten in produktiveren Beschäftigungen
finden, wodurch der gesamtwirtschaftliche Wohlstand steigt. Selbst wenn die inländische
Strukturanpassung langsam verlaufen sollte, sind die heimischen
Liberalisierungsgewinne immer noch weitaus höher als die -verluste. Eine
merkantilistische Politik reduziert die internationale Arbeitsteilung, von der
unser Wohlstand abhängt, und führt letztlich zur nationalen
Autarkie/Isolation. Die Merkantilisten sehen das Ausland als Feind an, den es zu
überlisten und auszubeuten gilt. Nach dem merkantilistischen Selbstverständnis
kann ein Staat nur das gewinnen, was er einem anderen vorher weggenommen hat.
Aber was geschieht, wenn alle Staaten das Politikrezept befolgen, die Importe zu
minimieren und die Exporte zu maximieren? Wenn wir nichts einführen, womit
sollen die Ausländer unsere Ausfuhren bezahlen? Was nicht funktioniert ist,
dass Staaten die Einfuhr verringern, gleichzeitig aber die Ausfuhr steigern
wollen. Die erste AußenhandelsliberalisierungIn den vergangenen 200 Jahren hat sich die Außenhandelspolitik der entwickelten Staaten mehrmals gewandelt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte merkantilistisches Denken, das zur Abschirmung der Binnenmärkte durch hohe Einfuhrzölle führte. Doch es wurde immer klarer, dass die Ausschaltung des internationalen Wettbewerbs zu einem hohen Wohlstandsverlust führte. Die
heute so heftig unter dem Stichwort Globalisierung diskutierte Liberalisierung
des Außenhandels begann bereits in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts in Großbritannien.
Die damals führende Industrienation und Kolonialmacht hatte enge
Handelsbeziehungen nicht nur zu ihren Kolonien, sondern auch zu
Kontinentaleuropa. Trotzdem waren britische Unternehmen durch hohe Zölle vor
Einfuhren geschützt. Dagegen
bildete sich eine Opposition, die aus mehreren Quellen gespeist war. Durch die
wissenschaftlichen Arbeiten von Adam
Smith und David
Ricardo hatte sich in weiten Kreisen des Bürgertums die Erkenntnis
durchgesetzt, dass die Einfuhrbeschränkungen der leistungsfähigen britischen
Industrie mehr Schaden zufügten, als sie einigen rückständigen Sektoren an
Nutzen brachte. Ein wichtiger Faktor im politischen Meinungsstreit waren die so
genannten Manchesterliberalen, die unter der Führung von
Richard Cobden
eine Massenbewegung zur Unterstützung der Freihandelsidee schufen. Das
wichtigste Argument der Cobden-Bewegung war, dass die Einfuhrzölle auf Getreide
die Lebenshaltung der Arbeiter verteuerten. Kritik
an der Schutzzollpolitik entstand auch aus ganz praktischen Interessen. Die
besonders hohen Zölle auf die Einfuhr von Getreide wirkten wie eine Steuer auf
das im schnellen Aufbau befindliche verarbeitende Gewerbe, das mit zusätzlichen
Lohnkosten belastet wurde, um den Arbeitern einen Ausgleich für die hohen
Nahrungsmittelpreise zu geben. Die exportorientierte Industrie war an höheren
Getreideimporten interessiert, damit ihre potentiellen Kunden in Übersee das
zum Kauf britischer Produkte erforderliche britische Geld erhielten. Die
englischen Arbeiter waren sehr für den Wegfall der Getreidezölle, da billiges
Importgetreide die Kaufkraft ihrer Löhne erhöhen konnte. Bereits
1840 gab es zaghafte Liberalisierungsbemühungen, doch der große Durchbruch für
den Freihandel kam 1846 mit der von Premierminister Robert Peel
durchgesetzten Abschaffung der Getreidezölle. Bemerkenswert daran ist, dass
dieser Schritt einseitig vollzogen wurde. Die britische Regierung machte ihren
Verzicht auf diese Zölle nicht davon abhängig, dass im Ausland ebenfalls
Einfuhrhemmnisse abgebaut würden. Robert Peel erklärte in einer berühmt
gewordenen Rede vor dem Unterhaus, dass es unbefriedigend sei, mit anderen
Staaten über den Abbau von Handelsschranken zu verhandeln, statt das zu tun,
was ohnehin im britischen Interesse liege, nämlich durch offene Märkte den
Wohlstand der Bürger zu mehren. Für Robert Peel war diese Liberalisierungsmaßnahme
ein mutiger Schritt, denn seine Konservative Partei war in dieser Frage tief
gespalten. Die
Abschaffung der Getreidezölle traf auf den heftigen Widerstand der
landwirtschaftlich Beschäftigten. Zu den unmittelbaren Gewinnern der Marktöffnung
zählten alle Lohnbezieher, die nunmehr für das gleiche Geld mehr Lebensmittel
kaufen konnten. Auch die exportorientierte Industrie profitierte direkt, da sie
jetzt mehr Waren im Ausland absetzen konnte. Die Landwirtschaft konnte sich bald
an die neue Situation anpassen, indem sie ihre Produktivität erhöhte und
Arbeitskräfte freisetzte. Die entlassenen Landarbeiter fanden schnell Arbeit in
dem nun rasch wachsenden verarbeitenden Gewerbe. Insgesamt erfuhr die britische
Wirtschaft durch den mutigen Schritt von Robert Peel einen kräftigen
Wachstumsimpuls. Bald
bemerkte der Rest der Welt, dass Großbritanniens Marktöffnung nicht ein
selbstloser Akt der Nächstenliebe war, sondern im wohlverstandenem
Eigeninteresse lag. Das britische Beispiel fand einige Nachahmer unter den
kleinen Staaten, z. B. in Dänemark und den Niederlanden. Frankreich und
Deutschland hingegen waren nur zu einer Marktöffnung bereit, die auf
Gegenseitigkeit beruhte. In Deutschland bestand eine breite politische Bewegung,
die sich für den Freihandel einsetzte. Die deutschen Liberalen hatten mit dem Kongress
deutscher Volkswirte eine Institution, die einen großen Einfluss auf das
Meinungsklima hatte. In den 1860er und 1870er Jahren bestimmten die Freihändler
die deutsche Politik. Als 1878 Otto von Bismarck mit dem Liberalismus
brach, begann auch eine Abkehr von der Politik der offenen Märkte. In 1879
konnte Bismarck wieder eine Zollmauer um Deutschland errichten. Sein Hauptmotiv
hierfür war nicht der Protektionismus, sondern der Wunsch, dem neuen Deutschen
Reich eigene Steuereinnahmen zu verschaffen. GATT und WTODie
meisten Staaten hielten bis 1914 am Freihandel fest. Nach dem 1. Weltkrieg kam
es zu einer allmählichen Abkehr vom Liberalisierungsgedanken. Mit dem Beginn
der Weltwirtschaftskrise in 1929 verstärkten sich die protektionistischen
Bestrebungen in allen Ländern, mit der Folge, dass die zunehmende Schließung
der Märkte die Wirtschaftsdepression vertiefte und verlängerte. Nach
dem 2. Weltkrieg zog man die Lehren aus den Erfahrungen der Zwischenkriegszeit.
Man erkannte, dass eine Wiederbelebung der Wirtschaft nur möglich war, wenn die
Märkte wieder geöffnet wurden. 1947 wurde ein völkerrechtlicher Vertrag
geschlossen, das General Agreement on Tariffs and Trade (GATT), der die
Signatarstaaten verpflichtet, sich gegenseitig Marktzugang zu gewähren. Überdies
bestimmt das GATT, dass:
Das
GATT wurde 1995 in die Welthandelsorganisation (WTO) überführt. Deren Tätigkeit
beruht auf drei Grundsätzen:
An
der Arbeit der WTO gibt es aus liberaler Sicht viel zu kritisieren:
Trotz
ihrer Mängel haben GATT und WTO beachtliche Liberalisierungen des Welthandels
erreicht. Die Zölle auf Industriegüter wurden in den bisherigen 8
Verhandlungsrunden des GATT um durchschnittlich 80% gesenkt. Das führte zu
einer erheblichen Steigerung des Welthandels. In der 2. Hälfte des 20.
Jahrhunderts wuchs der globale Warenhandel jährlich um 6,4%, die weltweite
Warenproduktion dagegen nur um 3,9%. Unter den gegebenen politischen Bedingungen
kann auf die WTO nicht verzichtet werden, wie der folgende Fall zeigt. Die EU-Kommission erließ 1990 eine "Bananenmarktordnung", in der sie für die Einfuhr von Bananen aus Süd- und Mittelamerika Einfuhrlizenzen und Mengenbeschränkungen vorschrieb.
Es
ist bemerkenswert, dass diese Maßnahme von den selben Politikern beschlossen
wurde, die sonst bei jeder Gelegenheit die Armut in der Dritten Welt beklagen.
Die EU-Kommission blieb in allen Verhandlungen auf Regierungsebene
kompromisslos. Der Europäische Gerichtshof wies eine Klage wegen Verletzung der
GATT-Regeln ab. In
dieser Situation blieb den diskriminierten Bananenproduzenten aus Süd- und
Mittelamerika nur mehr die Möglichkeit, mit Hilfe der WTO ihre Benachteiligung
aufzuheben. Auf Klage der USA, Mexikos, Ecuadors, Honduras und Guatemalas
entschied sowohl die 1. als auch die 2. Instanz im Streitschlichtungsverfahren
der WTO, dass die Bananenmarktordnung der EU in wesentlichen Teilen gegen die
Vorschriften des GATT verstößt. Dies gelte vor allem für die Einfuhrlizenzen
und die Kontingentierung (Mengenbegrenzung). Ohne
die WTO hätte diese Handelsbeschränkung die betroffenen Staaten zu
Vergeltungsmaßnahmen veranlasst, die ihrerseits von der EU mit Sanktionen
beantwortet worden wären. Daraus könnte schnell ein Handelskrieg entstehen,
der für alle Beteiligten sehr negative Folgen hätte. Trotz
ihrer Mängel ist die WTO unverzichtbar für die Liberalisierung des
Welthandels. Der europäische Binnenmarkt könnte sehr gut im Rahmen der WTO von
allen Handelsbeschränkungen befreit werden. Das würde die EU-Bürokratie überflüssig
machen. Die Gewinner der GlobalisierungVon
der Öffnung der Märkte profitieren immer die Konsumenten. Die Verschärfung
des internationalen Wettbewerbs bringt ihnen ein umfangreicheres Angebot an Gütern
und Dienstleistungen zu sinkenden Preisen. Dadurch steigt die Kaufkraft der
Verbraucher und ihr Lebensstandard. Die
Ausweitung und Vertiefung der internationalen Arbeitsteilung bringt auch große
Vorteile für die wettbewerbsfähigen Produzenten, deren Absatz- und
Gewinnchancen steigen. In den letzten Jahrzehnten hat die Teilnahme am
Welthandel das Einkommen in vielen Regionen der Welt auf ein Niveau gebracht,
das vorher nur den OECD-Ländern vorbehalten war.
Insbesondere
jene Entwicklungsländer, die sich ohne Vorbehalte dem Welthandel geöffnet
haben, konnten ein erhebliches Wirtschaftswachstum verzeichnen und so das
Einkommen ihrer Bürger erhöhen. Überall da, wo durch den Abbau von
Handelsbarrieren die Möglichkeit entsteht, auf dem Weltmarkt Geld zu verdienen,
sinkt die Zahl der Armen. Die folgende Tabelle zeigt das Wachstum des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) und die Abnahme (in Prozentpunkten) des Anteils der
Armen (d. h. derjenigen, die weniger als 1 Dollar pro Tag verdienen) an der
Gesamtbevölkerung im angegebenen Zeitraum in 3 Weltregionen.
Ein
Beispiel für die wachstumsfördernde Wirkung einer Marktöffnung bietet China.
Im Zeitraum von 1980 bis 2005 hat sich die chinesische Wirtschaftsleistung (BIP)
verzehnfacht, in den OECD-Ländern hingegen nur verdoppelt. Das
Pro-Kopf-Einkommen der Chinesen, berechnet in Kaufkraftparitäten, betrug in
2005 circa 6.200 Dollar, während in den sieben größten Industriestaaten
(Gruppe-7-Länder) auf jeden Einwohner 31.000 Dollar entfielen. Ein Fünftel des
Durchschnittseinkommens der G-7-Staaten zu verdienen ist bereits ein großer
Erfolg, insbesondere wenn man bedenkt, in welch katastrophaler Lage die
chinesische Wirtschaft zu Beginn der Liberalisierungspolitik war. Die
volle Bedeutung der Globalisierung ist erst ersichtlich, wenn man die enormen
Einkommensunterschiede in China berücksichtigt. Das Pro-Kopf-Einkommen in
Shanghai ist fünfmal höher als im Landesdurchschnitt, entspricht also bereits
unserem Einkommen. Andererseits beträgt das Durchschnittseinkommen in den noch
sozialistischen Regionen Chinas nur 40% des Landesdurchschnitts. Überall da, wo
die chinesische Regierung den Kapitalismus zugelassen hat, boomt die Wirtschaft
und das Einkommen der Bevölkerung steigt schnell. Es gibt aber auch Provinzen,
in denen kommunistische Funktionäre alter Prägung noch das Kommando haben.
Dort wird je Einwohner nicht mehr erwirtschaftet als in den afrikanischen
Staaten südlich der Sahara, die zu den ärmsten Gebieten der Welt zählen.
Der
wirtschaftliche Aufstieg Chinas begann mit den Reformen, die
Deng Xiaoping
(1904-1997) Ende der 1970er Jahre einleitete. Deng erklärte den Profit zum
Leitprinzip des Wirtschaftslebens. Seine bekanntester Slogan lautete:
"Reichwerden ist wunderbar". Er propagierte die Eigeninitiative von
Privatpersonen und setzte die Schließung oder Verschlankung vieler
Staatsbetriebe durch. Diese Politik gilt auch heute: von 1995 bis 2003 musste
die staatseigene Wirtschaft 6,8 Millionen Arbeitskräfte entlassen, um ihre
Effizienz zu erhöhen. Ab 1980 wurde der chinesische Markt schrittweise für
ausländische Produkte geöffnet. Durch die Aufnahme Chinas in die WTO konnten
viele Handelsbarrieren abgebaut werden.
Heute gehört China zu den führenden Exportnationen der Welt. Die Fremdwährungsreserven des Landes stiegen von 74 Milliarden Dollar in 1995 auf 819 Milliarden Dollar in 2005, sein Leistungsbilanzüberschuss wuchs von 21 Milliarden Dollar in 2000 auf 116 Milliarden Dollar in 2005 (zum Vergleich: die Devisenreserven Deutschlands betragen 40 Milliarden Dollar). Das reale Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt stieg in China von 1980 bis 2005 im Durchschnitt um 8,5% pro Jahr (Indien: 3,7%). Der
chinesische Wirtschaftsaufstieg vollzieht sich in einem Land, das keinen
Sozialstaat hat und in dem es Gewerkschaften, wie wir sie kennen, nicht gibt. Je
länger der wirtschaftliche Erfolg Chinas anhält, desto größer wird die
Anziehungskraft seines Entwicklungsmodells.
Auch
am Beispiel des geteilten Korea sieht man, welche Bedeutung offene Grenzen
haben. Das kommunistische Regime in Nordkorea hat diesen Landesteil vollkommen
vom Rest der Welt abgeschnitten. Die Bevölkerung dort lebt in bitterster Armut,
viele Menschen sind sogar an Hunger gestorben. Der Süden des Landes ist in die
Weltwirtschaft integriert und hat ein Pro-Kopf-Einkommen erreicht, das mit
unserem vergleichbar ist. In Korea, einem Land mit einheitlichem Volk,
gemeinsamer Kultur und Geschichte, existieren Gegensätze, die größer nicht
sein könnten. Wer sich über die Leistungsfähigkeit von Kapitalismus und
Sozialismus Klarheit verschaffen und die Bedeutung des Freihandels ermessen
will, kann viel aus dem koreanischen Beispiel lernen.
Deutsche GlobalisierungsproblemeDer
weltweite Abbau von Zöllen und anderen Handelsschranken setzt besonders
Deutschland unter einen verstärkten Wettbewerbsdruck. Innerhalb der Europäischen
Union stellen sich der deutschen Wirtschaft folgende Probleme:
Die
Integration in die EU beseitigt für viele europäische Konkurrenten der
deutschen Wirtschaft jene Nachteile, die sie außerhalb der EU zu erleiden
hatten. Das ist uneingeschränkt zu begrüßen. Für Deutschland bedeutet diese
Vereinheitlichung der Wettbewerbsbedingungen aber eine Erhöhung des
Wettbewerbsdrucks. Mit
der am 01.05.2004 vollzogenen Osterweiterung der EU verschärften sich die
Probleme. Die neu hinzu gekommenen 8 osteuropäischen Staaten mit 73 Millionen
Einwohnern können im EU-Binnenmarkt den Vorteil ihrer niedrigen Lohnkosten voll
zur Geltung bringen.
Aber
nicht nur in der EU, sondern auch weltweit hat der internationale Wettbewerb
stark zugenommen. Durch den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und die
Öffnung Chinas wurden plötzlich 28 % der gesamten Menschheit in das
kapitalistische Wirtschaftssystem eingebracht. Die Löhne sind in Fernost noch
niedriger als in Osteuropa. Gleichzeitig haben unsere asiatischen Konkurrenten
sich ein technologisches Know-how erarbeitet, das weitgehend dem Wissensstand
der deutschen Wirtschaft entspricht. Dadurch geraten auch die deutschen
Arbeitsplätze für Mittel- und Hochqualifizierte unter Wettbewerbsdruck. Bei
den minder Qualifizierten ist der Konkurrenzkampf zu einem großen Teil schon
entschieden: Millionen von ihnen sind arbeitslos geworden (siehe Seite über Arbeitslosigkeit).
Viele
Deutsche weigern sich, die notwendigen Schlussfolgerungen aus der prekären Lage
des Hochlohnlandes Deutschland zu ziehen. Man verweist gerne auf die Tatsache,
dass Deutschland in den letzten Jahren mehr exportiert hat, als jeder andere
Staat der Welt. Kann man Exportweltmeister und dennoch wettbewerbsschwach sein?
Die deutsche Position ist weniger gut, als es der stolze Titel vermuten lässt.
Der
Anteil Deutschlands am Warenhandel der Welt ist rückläufig: er sank von 13% in
1970 auf 9% in 2003. Das bedeutet, dass der gesamte Warenexport aller Staaten
schneller wächst als der deutscher Export. Schrumpfende Marktanteile zeigen,
dass die deutsche Wettbewerbsfähigkeit abnimmt.
Die
deutschen Exportzahlen sind weniger günstig, als es den Anschein hat, denn sie
enthalten alle Vorleistungen von ausländischen Zulieferern, die in deutsche
Produkte eingehen. Der Anteil der deutschen Wertschöpfung am Gesamtwert der
Exportgüter nimmt seit vielen Jahren ab und hat nun ein so niedriges Niveau
erreicht, dass es an Etikettenschwindel grenzt, das Exportgut überhaupt noch
als deutsch zu bezeichnen. So entfällt bei BMW nur 27% des Verkaufswertes auf
hauseigene Produktion, während 73% von Zulieferern stammen, die zur Hälfte
ganz im Ausland sind, oder überwiegend im Ausland fertigen lassen. In der
Exportstatistik wird aber der gesamte Wert des Fahrzeugs Deutschland
zugeschrieben.
Unter den verschärften Wettbewerbsbedingungen der Globalisierung sind nur jene Produkte absetzbar, die in einem weltweiten Kosten/Nutzen-Vergleich am besten abschneiden. Davon profitiert der Verbraucher, und das sind wir alle. Die Globalisierung wird von den Konsumenten vorangetrieben, die das Produkt mit dem günstigsten Preis/Leistungsverhältnis kaufen, ganz unabhängig davon, aus welchem Land es stammt. Die Globalisierung ist nicht das Ergebnis der Verschwörung einiger Kapitalisten, sondern sie ist das Resultat einer Abstimmung, die alle Bürger täglich an den Ladenkassen mit ihren Geldscheinen als Stimmzetteln vornehmen. Für
die Produzenten bedeutet das, dass alle Kostenbestandteile ihrer Produkte auf
den Prüfstand kommen. Den größten Anteil an den betrieblichen Kosten haben
die Löhne. Man kann natürlich versuchen, durch überragende technische
Leistungen genauso überragende Löhne zu rechtfertigen. Das wird aber nur
wenigen gelingen. Für alle anderen bleibt die Lohnhöhe der wichtigste
Parameter in der Überlebensgleichung ihres Unternehmens.
Nun
sind bekanntlich die Löhne in Deutschland höher als in jedem anderen Land der
Welt, mit Ausnahme des Erdöllandes Norwegen und des internationalen
Finanzplatzes Schweiz. Sogar in den neuen Bundesländern ist das Lohnniveau
vier- bis fünfmal so hoch wie bei unseren unmittelbaren Nachbarn Polen und
Tschechien. Diese Lohnunterschiede, und damit der von ihnen ausgehende
Wettbewerbsdruck, werden noch Jahrzehnte bestehen. Empirische Untersuchungen
haben ergeben, dass die wirtschaftliche Anpassung der ärmeren an die reicheren
Regionen lange dauert. In den letzten 30 Jahren verringerte sich in Westeuropa
der Unterschied im Einkommen der Länder um 1,1% pro Jahr. Außerhalb Europas
wurde ein Konvergenztempo von 2% gemessen. Wenn wir z. B. von der optimistischen
Annahme ausgehen, dass in der EU eine Annäherung von 2% pro Jahr erreichbar wäre,
dann würden die polnischen Lohnkosten pro Stunde, die in 2003 bei 16% der
westdeutschen Lohnkosten lagen, noch in 2010 nur 27% und in 2020 gerade einmal
40% der westdeutschen und 50% der ostdeutschen Lohnkosten ausmachen.
Viele
Deutsche hoffen, dass es möglich sei, den Wettbewerbsdruck zu ignorieren. Die
große Koalition der Besitzstandswahrer versucht, durch protektionistische Maßnahmen
zu retten, was doch nicht zu retten ist. Jeder Bürger hat zwei Seelen in seiner
Brust. In seiner Eigenschaft als Produzent möchte er sein Einkommen maximieren,
indem er seine Produkte zu möglichst hohen Preisen verkauft. In seiner
Eigenschaft als Konsument strebt er nach größtmöglichem Nutzen, indem er sich
bei Waren gleicher Qualität für das jeweils Billigste entscheidet, auch wenn
es ausländischer Herkunft ist. In der Politik setzen sich immer die gut
organisierten Produzenten durch, während die Interessen der politisch schwachen
Konsumenten unberücksichtigt bleiben. Das hat sehr nachteilige
volkswirtschaftliche Konsequenzen. Hierzu der Ökonom Hans-Werner Sinn:
"Westliche
Politiker reagieren auf den Niedriglohndruck, indem sie das Lohnsystem noch
starrer machen. In Deutschland beispielsweise plant man, einen gesetzlichen
Mindestlohn einzuführen, wie es ihn in anderen Ländern schon länger gibt.
Aber derartige Maßnahmen verschlimmern die Situation nur noch. Die
Spezialisierung auf kapitalintensive, arbeitssparende Sektoren wird verstärkt,
noch mehr Kapital fließt aus dem Land, und noch mehr Menschen wandern aus dem
Ausland zu und verdrängen die Einheimischen in den Sessel, den der Sozialstaat
für sie bereit hält. Die Massenarbeitslosigkeit sinkt nicht, sondern steigt. Die
Globalisierung bewirkt einen Faktorpreisausgleich auf den beteiligten Märkten,
d. h. eine Angleichung der Preise, die für die Produktionsfaktoren Kapital,
Arbeit und Boden gezahlt werden. Für den Produktionsfaktor Kapital, der schon
immer besonders mobil war, hat sich in den letzten 200 Jahren weltweit ein
Zinssatz von 4% pro Jahr herausgebildet. Dieser Weltmarktzinssatz war im
gesamten Zeitraum erstaunlich stabil. Für den Faktor Arbeit verursacht nun die
Globalisierung einen ähnlichen Prozess der Angleichung der Preise, die für die
Nutzung von Arbeitskraft zu zahlen sind.
Der
Faktorpreisausgleich sorgt, über die Landesgrenzen hinweg, für eine
Verringerung der Unterschiede in den Löhnen für gleiche Arbeit. Wenn in den
Hochlohnländern die Gewerkschaften eine Korrektur der Löhne nach unten
verhindern, dann entsteht Arbeitslosigkeit, Unternehmen gehen pleite und Kapital
wandert in Länder mit günstigeren Bedingungen ab. Die internationale
Angleichung der Löhne, die für eine jeweilige Qualifikationsstufe zu zahlen
sind, lässt sich nicht verhindern, es sein denn, man schließt sich völlig vom
Ausland ab. Die Gewinne aus der internationalen Arbeitsteilung gibt es nur
gemeinsam mit dem Faktorpreisausgleich.
Die
deutschen Löhne können nicht unter das Niveau fallen, das durch die
Lohnersatzleistungen des Sozialstaates gegeben ist. Warum sollte ein
Arbeitnehmer einen Lohnabschlag hinnehmen, wenn er dadurch weniger verdient, als
er für Nichtstun vom Sozialstaat bekommt? Die sozialstaatlichen
Lohnersatzleistungen begründen einen Mindestlohnanspruch gegenüber der
privaten Wirtschaft, der von ihr im Zeitalter der Globalisierung immer weniger
erfüllt werden kann. Der Sozialstaat verursacht Massenarbeitslosigkeit, und
diese wiederum zerstört ihren Verursacher, indem sie ihn unfinanzierbar macht.
Hierzu erneut Hans-Werner Sinn: "Der
auf Lohnersatz und Mindestlöhnen beruhende europäische Sozialstaat wird die
Globalisierung nicht überleben. Es wird möglicherweise noch weitere zehn oder
zwanzig Jahre dauern, bis die Politiker das verstehen, aber am Ende werden sie
es verstehen müssen. Man kann den Gang der Geschichte nicht aufhalten."
Die Widersprüche der GlobalisierungsgegnerDie
Gegner eines weiteren Abbaus der Handelsschranken stellen sich gerne als die Anwälte
der Armen in den Entwicklungsländern dar. Die gegen den Freihandel gerichtete
Agitation stützt sich auf folgende Behauptungen: multinationale Konzerne in
ihrer gnadenlosen Profitgier lassen in den Entwicklungsländern produzieren, um
die dortigen Arbeitskräfte auszubeuten, die zu Hungerlöhnen arbeiten müssten.
Als große Freunde der Entrechteten fordern die Globalisierungsgegner, dass die
Löhne in den Entwicklungsländern unverzüglich drastisch angehoben werden
sollten, möglichst auf das Niveau, das bereits bei uns besteht.
Auf
den ersten Blick scheint diese Forderung sehr menschenfreundlich zu sein, denn
wer wünscht nicht ein besseres Leben für die Armen dieser Welt. Bei Berücksichtigung
der ökonomischen Zusammenhänge erkennt man aber, dass die
Globalisierungsgegner gerade jenen schaden, denen sie zu helfen vorgeben.
Die
Lohnhöhe ist der entscheidende Faktor bei der Bestimmung der Wettbewerbsfähigkeit
eines Unternehmens, aber auch einer Volkswirtschaft. Wenn man die Löhne in den
Entwicklungsländern über das Maß anhebt, das der Markt von sich aus
hervorbringt, dann nimmt man diesen Ländern ihren entscheidenden
Wettbewerbsvorteil. Die Folgen wären katastrophal: die erhöhten Lohnkosten
bedeuten höhere Preise, der Absatz auf dem Weltmarkt ginge drastisch zurück,
die Arbeitslosigkeit nähme im gleichen Ausmaß zu. Aus aufstrebenden
Volkswirtschaften in Zeiten der Globalisierung würden wieder wirtschaftliche
Notstandsgebiete werden, denen man die Möglichkeit genommen hat, sich durch
internationale Handelsbeziehungen ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Nutznießer
dieser Politik wären jene Arbeitnehmer in den Hochlohnländern, die in nicht
wettbewerbsfähigen Unternehmen den Druck der ausländischen Konkurrenz verspüren.
Die Globalisierungsgegner vertreten die Interessen hochbezahlter Arbeitnehmer in
den entwickelten Ländern auf Kosten der Armen in der Dritten Welt. Die gegen
den Freihandel gerichteten Verbände sind nichts anderes als die
Frontorganisationen von Gewerkschaften, die die hohen Löhne ihrer Mitglieder
bewahren wollen.
Die
so sehr beklagten Niedriglöhne in der Exportwirtschaft der Entwicklungsländer
sind gemessen an den hohen Löhnen bei uns tatsächlich sehr niedrig, aber sie
sind im Kontext ihres Landes außergewöhnlich hoch. Dementsprechend begehrt
sind Arbeitsplätze in exportorientierten Unternehmen. Wer dort arbeiten darf,
gilt in seinem Land nicht als ausgebeutet, sondern als privilegiert.
Ein großer Schaden für den Außenhandel ergibt sich, wenn es den Globalisierungsgegnern gelingt, die Einfuhrgenehmigung von der Einhaltung hoher Sozial- und Umweltstandards in den Herkunftsländern abhängig zu machen. Die wirkungsvollste agitatorische Waffe in diesem Zusammenhang ist die Forderung nach einem Verbot der Kinderarbeit. Protektionistischen NGOs ist es schon oft gelungen, ein Einfuhrverbot für Waren zu erzwingen, an deren Herstellung Kinder beteiligt waren. Die Folge dieser Maßnahme war aber nicht, dass im Lieferland die Kinderarbeit eingestellt wurde, sondern nur, dass die Kinder, die angeblich geschützt werden sollten, ihren relativ gutbezahlten Arbeitsplatz in der Exportwirtschaft ihres Landes verloren haben und daraufhin zu weitaus niedrigeren Löhnen, bei längerer Arbeitszeit und schlechteren Arbeitsbedingungen, im rückständigen Bereich der Wirtschaft ihres Heimatlandes arbeiten mussten. Das
Lieblingsprojekt der Globalisierungsgegner ist eine Steuer auf Umsätze an den
Devisenmärkten. Eine derartige Steuer wäre tatsächlich sehr ertragreich. Bei
einem Steuersatz von 0,5% hätte sie im Jahr 2000 Einnahmen von 1.400 Milliarden
Dollar erbracht. Das Eintreiben dieser Abgabe erforderte eine neue globale Bürokratie,
in der wir manche der heutigen Anti-WTO-Straßenkämpfer als Bürokraten in
Nadelstreifenanzügen wieder antreffen würden. Den Entwicklungsländern wäre
mit diesem Abkassieren nicht geholfen, denn die gestiegenen Transaktionskosten würden
zu einem Preisanstieg führen, der allen schadet und den Außenhandel reduziert.
Die
Propagandisten dieser Steuer hoffen, eine breite Zustimmung zu ihrem Vorhaben zu
schaffen, indem sie betonen, dass es sich gegen die Spekulanten an den Devisenmärkten
richtet. Für viele Menschen ist die Börsenspekulation etwas moralisch
verwerfliches. Diese Auffassung verkennt völlig die wirtschaftliche Funktion
der Spekulation. Wenn ein Spekulant Kursdifferenzen nutzt, um Gewinn zu
erzielen, dann hat das zur Folge, dass sich weltweit einheitliche Kurse bilden.
Oft erfolgt die Spekulation vollautomatisch durch den Einsatz von
Computerprogrammen. Allgemein formuliert besteht die Tätigkeit eines
Spekulanten darin, Kapital von Verwendungen mit niedriger Rendite abzuziehen, um
es in rentablere Projekte zu investieren. Dadurch erfüllt der Spekulant die
Funktion eines Frühwarnsystems in der kapitalistischen Wirtschaft. Dank seiner
Tätigkeit werden makroökonomische Anpassungsprozesse schneller eingeleitet,
die Wirtschaft kann produktiver arbeiten. Jeder Eingriff in die Koordinationstätigkeit
der Börse führt zu einem Wohlstandsverlust. Handel
statt Hilfe
Handelsbeschränkungen
schaden sowohl uns als auch dem Rest der Welt. Wir würden alle gewinnen, wenn
Deutschland alle Zölle, Importkontingente, Sozial- und Umweltschranken
abschaffen dürfte. Leider ist dies nicht möglich, weil die Bundesrepublik
Deutschland auch im Außenhandel
ihre Souveränität verloren hat. Heute hat die Europäische Union in diesen
Fragen das Entscheidungsmonopol. Die EU ist weit vom Ideal des Freihandels
entfernt.
Die hohen Agrarzölle der EU diskriminieren insbesondere die Entwicklungsländer, die auf Agrarexporte angewiesen sind. Zu den Außenhandelsbarrieren kommen noch die massiven Subventionen der EU für die eigenen Landwirte, die auf diese Weise gegenüber ihrer außereuropäischen Konkurrenz bevorzugt werden. Die EU subventioniert den Export von landwirtschaftlichen Produkten und verdrängt dadurch auf dem Weltmarkt produktivere Wettbewerber, die von ihren Regierungen nicht oder weniger subventioniert werden. Diese protektionistische Politik schadet nicht nur den Entwicklungsländern, sondern auch den heimischen Verbrauchern, die höhere Preise zu zahlen haben, und den Steuerzahlern, die für die schädlichen Subventionen aufkommen müssen. Die Hälfte des EU-Haushalts in Höhe von 49 Milliarden Euro wird für die Subventionierung der Landwirtschaft ausgegeben, obwohl dieser Wirtschaftszweig nur 2% der volkswirtschaftlichen Leistung erbringt. Ein
bedeutendes Handelshemmnis sind die Mengenbeschränkungen für einzuführende
Waren. Besonders im Handel mit Textilien und Bekleidung spielen sie eine große
Rolle. Auf Druck der nicht konkurrenzfähigen Teile der europäischen
Textilindustrie hat die EU-Kommission Importkontingente wieder verringert.
Bereits gelieferte und bezahlte Textilprodukte, vornehmlich aus China, wurden in
europäischen Häfen blockiert und durften nicht an ihre Abnehmer ausgeliefert
werden. Die Leidtragenden einer derartigen Politik sind offensichtlich.
Seit
1.
Januar 2002 dürfen Produkte (außer Waffen) aus den 48 ärmsten Ländern der
Welt zollfrei in die EU eingeführt werden. Diese Geste ist aber nicht so großzügig,
wie es auf dem ersten Blick scheint. Das Handelsvolumen mit diesen Staaten ist
so gering, dass es auf dem EU-Markt kaum ins Gewicht fällt. Außerdem wurden Übergangsfristen
verhängt. Die Marktöffnung für Bananen kam erst 2006, für Zucker
und Reis 2009. Es gibt also noch viel zu tun, um den Entwicklungsländern
einen freien Zugang zum europäischen Markt zu gewähren.
Der
klassische Liberalismus tritt für einen vollständigen und bedingungslosen
Abbau aller Handelsschranken ein. Die sich daraus ergebende Vertiefung der
Arbeitsteilung würde den Wohlstand aller handelstreibenden Länder erhöhen.
Die Beseitigung der Armut in den rückständigen Gebieten der Welt kann nicht
durch Entwicklungshilfe erfolgen, die nur die korrupten und unfähigen
Regierungen stärkt ohne die wirklich Armen zu erreichen, sondern ausschließlich
durch die Teilnahme am freien Handel.
Der Freihandel
ist das beste Armutsbekämpfungsprogramm.
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