Liberalismus in Österreich
"Der Staat ist die große Fiktion,
nach der sich jedermann bemüht, auf Kosten jedermanns zu leben."
Frédéric Bastiat
Auch in Österreich erlebten die Liberalen in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (nach 1860) einen Aufschwung und
stellten eine bedeutende Fraktion im Parlament. So konnte sich langsam
die Konfessionsfreiheit, Emanzipation der Juden und die Trennung von
Schule und Kirche durchsetzen. Dies alles gegen die Widerstände des
Kaisers und der mit ihm verbündeten konservativen Tiroler Abgeordneten.
In der Republik Österreich gab es - mit kleinen
Ausnahmen - lange Zeit keine eigenständige liberale Partei. Auch nach
dem Zweiten Weltkrieg konnte sich auf Dauer keine politische Partei
halten, die ausschließlich den Zielen des Liberalismus verpflichtet
gewesen wäre; die wenigen Vertreter des politischen Liberalismus
schlossen sich anderen, eigentlich nicht-liberalen und stark
etatistischen Parteien an, der ÖVP, die SPÖ oder die Grünen. 1949
formierte sich der Verband der Unabhängigen (VdU), der zwar einen
liberalen Flügel hatte, doch stand diesem ein ungleich gewichtigerer
"nationaler" Flügel gegenüber, dessen Mitglieder zumeist Altnazis waren
und die eigentlich liberalen Vertreter rasch marginalisierten oder aus
der Partei drängten. Dasselbe gilt auch für die in Freiheitliche Partei
Österreichs (FPÖ) umbenannte Nachfolgepartei des VdU, und zwar nicht
erst, seitdem 1986 der rechtspopulistische Jörg Haider Parteiobmann der
FPÖ geworden war.
Erst 1993 entstand als Abspaltung der FPÖ mit dem
Liberalen Forum (LF) um
Heide Schmidt wieder eine explizit liberale Partei. Die FPÖ verließ
im selben Jahr die Liberale Internationale und kann seit dem nicht mehr
als liberale Partei im eigentlichen Sinn gelten, vielmehr entwickelte
sich die FPÖ zu einer Art deutschnationalliberalen Partei.
Das Liberale Forum konnte sich bis 1999 im
österreichischen Parlament halten; seit dem scheitert es regelmäßig bei
allen Wahlen an der 4-Prozent-Klausel. Bei der letzten
Nationalratswahl 206 kandierte der Bundessprecher
Alexander Zach LF auf der Liste der Sozialdemokratische Partei
Österreichs (SPÖ) und zog in in den Nationalrat ein. Seit 2009 ist das
LF allerdings endgültig aus der politischen Landschaft in Österreich
verschwunden.
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