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| ReligionDie Beziehung des Liberalismus zur Religion stellte ein besonderes Problem dar. Im Zuge der Aufklärung entstand der politische Liberalismus; er führte die Auflehnung gegen die absolute Herrschaft der Könige und Fürsten an. Zu dieser Zeit gab es eine enge Verflechtung der Kirchen mit dem Staat, was nicht nur durch die Krönung des Kaisers und der Könige ihren Ausdruck fand, woraus sich aber das Verständnis entwickelte, die Legitimation der Herrscher sei göttlich bestimmt. Die antiklerikale Neigung vieler Liberaler hatte ihren Ursprung im letztlich weltlichen Machtanspruch der Kirchen dieser Jahrhunderte. In Europa benutzten Liberale manchmal sogar die Macht des Staates, um den Einfluss der katholischen Kirche zu beschneiden, während einige katholische Führer überkommenen Ideen theokratischer Kontrolle nachhingen. Liberale wie Benjamin Constant, Alexis de Tocqueville und Lord Acton sahen darin einen sinnlosen Disput und dachten darüber hinaus. Sie sahen die außergewöhnliche Rolle, die auf die Religion, sofern diese von der Regierungsgewalt getrennt ist, in Bezug auf ein Eindämmen des Wachstums des zentralisierten Staates zukommen könnte. Damit wurde der Grundstein für die Versöhnung von Freiheit und religiösem Glauben gelegt. Aus liberaler Sicht ist eine sachliche Integrations- und Islamdiskussion notwendig. Insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Islam und der Rolle der Muslima in Europa muss vorurteilsfrei erfolgen. Dabei geht es weder um eine grüne Multi-Kulti-Romantik, die gerne bestehende Probleme und Integrationsdefizite beispielsweise im Hinblick auf die häufig unterdrückte Rolle der Frau in muslimischen Familien gerne unter den Teppich kehrt. Es geht auch nicht um eine rechte Abschottungs- und Rückführungspolitik gegenüber Ausländern. Jedoch stößt die Integration muslimischer Migranten auf Probleme. Aktuell wird in Medien, Politik und im Internet die Entstehung von Parallelgesellschaften diskutiert. Fremdenfeindlichkeit und religiöse Vorurteile auf beiden Seiten stellen weitere Probleme dar. Unumstritten ist ein zunehmender Bevölkerungsdruck auf die europäischen Mittelmeerländer, meist ausgehend von Nordafrika. Von 2005 bis 2025 wird sich die Bevölkerung Marokkos, Algeriens und Libyens vermutlich verdoppeln, die Bevölkerung Ägyptens um 50% und die Tunesiens um 30% anwachsen. Eine Zunahme der illegalen Einwanderung ist daher anzunehmen. Die Europäer weichen nach Ansicht des US-amerikanischen Islamexperten und Historikers Prof. Bernard Lewis dem Islam zurück. Sie hätten durch die Säkularisierung ihr Selbstbewusstsein und den Respekt vor ihrer eigenen Kultur verloren. Durch diese Selbsterniedrigung, politische Korrektheit und Multi-Kulturalismus, hätten die Europäer auch den jahrtausendelangen Kampf gegen die Islamisierung Europas aufgegeben. [2] Dieser Prozess ist wieder rückgängig zu machen. Europa hat aber darauf zu achten, dass die vielen Millionen Muslime keiner religiös begründeten Diskriminierung ausgesetzt werden. Gleichzeitig müssen aber Verhaltensweisen innerhalb der islamischen Glaubensgemeinschaft abgelehnt werden, die den gesellschaftlichen Prinzipien Europas zuwiderlaufen. Ehrenmorde und andere aus der Tradition oder Religion heraus begründete Rechtsverstöße sind mit der ganzen Härte des Gesetzes zu verfolgen. Dabei steht der Islam keineswegs im Widerspruch zur europäischen Rechtstraditionen. Die Scharia (religiöses Gesetz) kommt im Koran (heilige Schrift des Islam) als solche überhaupt nicht vor. Das alltägliche Leben erforderte allerdings allerlei Klärungen darüber, was als islamisch anzusehen sei und was nicht. Dies geschah durch Fatwas (religiöse Gutachten, Lehrentscheidung), die von Religionsgelehrten (Muftis) aufgrund der Interpretation von Koran und Sunna (überlieferte Norm) getroffen wurden. Liberale unterstützen den Kampf gegen Islamisten (islamische Fundamentalisten) mit allen rechtsstaatlichen Mitteln. Aber Liberale wehren sich dagegen, wenn Muslime, deren Mehrheit im Einklang mit der europäischen Rechts- und Werteordnung lebt, unter einen Generalverdacht gestellt werden. Die viel gepriesene Toleranz ist auf beiden Seiten daher auch nicht beliebig, sondern stets an diesen Grundlagen unseres Zusammenlebens zu messen. Jeder darf nach seiner Religion leben, im Rahmen dieses für alle verbindlichen Bezugsrahmens. Diese Grundlagen sind aber verletzt, wenn Imame (Vorsteher, Vorbild) in Moscheen Hass predigen und wenn islamische Verbände gegen unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung agitieren. Sie sind auch verletzt, wenn die Erlernung der jeweiligen Sprache abgelehnt wird. Sie sind ebenfalls verletzt, wenn vor allem Mädchen und junge Frauen gegen ihren Willen zwangsverheiratet werden oder nicht am Sportunterricht bzw. am Schulausflug teilnehmen dürfen. Wenn Homosexuelle wegen ihrer Neigung verfolgt und diskriminiert werden. Insbesondere, wenn die Religionsfreiheit nicht gewährleistet ist. Religionsfreiheit ist vor allem die Freiheit, die Religion abzulegen und eine andere Religion anzunehmen. Prof. Dr. Faruk Sen vom Zentrum für Türkeistudien der Universität Essen hat in einer kleinen soziologischen Studie Überlegungen zum künftigen Gesicht des Islam in Europa angestellt, den er als fern von Islamismus oder Fundamentalismus einordnet. Der Untersuchung stellt er folgende Gedanken voran: „Eine aktive Förderung eines europäischen, pluralistischen Islam würde bei den muslimischen Migranten in Deutschland auf fruchtbaren Boden fallen und erscheint damit aus integrationspolitischer Sicht mehr als lohnend. Bestimmte normative Forderungen wären an einen solchen Euro-Islam zu stellen. Er müsste auf fünf Säulen basieren: der Ablehnung der Scharia, dem Prinzip des Laizismus (Trennung von Religion und Staat), der Kompatibilität islamischer Lebensweisen mit den Normen der Industriegesellschaft, Treue zur verfassungsmäßigen Ordnung der Aufnahmeländer und Zustimmung zu Demokratie und Pluralität. Es gibt deutliche Anzeichen, dass ein solches Islamverständnis eine wirkliche Grundlage hätte.“ [3] Quellen:[1] Ralph Raico - Die Geschichte des Liberalismus [2] ↑ Prof. Bernard Lewis: Europäer haben vor dem Islam kapituliert [3] ↑ Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
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