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David Ricardo 

Vertreter der Klassischen Nationalökonomie

Beruflicher und privater Werdegang

David Ricardo wurde am 18. oder 19. April 1772 in London geboren. Er kam aus einer einer jüdischen, über Portugal nach Holland, dann von dort nach England eingewanderten Familie. Er war das dritte von siebzehn Kindern und hatte fünf Brüder. Sein Vater war Börsenmakler und galt als einer der reichsten Menschen der damaligen Welt. Bereits mit 14 Jahren folgte er seinem Vater an die Londoner Börse.

Ricardo entsagte dem jüdisch-orthodoxen Glauben seiner Familie und brannte im Alter von 21 Jahren mit Priscilla Anne Wilkinson, einer Quäkerin, durch. Er heiratete sie und trat zum Christentum über. Sein konservativer Vater brach daraufhin den Kontakt ab und enterbte ihn. David Ricardo war fortan auf ein Darlehen von Bekannten angewiesen. Zu dieser Zeit schloss Ricardo sich dem Unitarismus an.

Als Börsenmakler kam er schon früh zu einem Vermögen, das es ihm ermöglichte, sich mit 25 Jahren teilweise aus dem Erwerbsleben zurückzuziehen. 1798 folgten naturwissenschaftliche Studien. Im Jahr 1799 befasste sich Ricardo mit Adam Smiths Hauptwerk Wohlstand der Nationen – Auslöser für weitere ökonomische Studien.

Doch erst im Jahr 1809 wandte sich Ricardo mit einer Schrift an die Öffentlichkeit. Sein Vermögen gestattete Ricardo, sich mit 42 Jahren ausschließlich mit ökonomischen Studien zu beschäftigen. Er zog nach Gloucestershire. 

Ricardo wurde 1819 als Vertreter des irischen Bezirkes Portalington in das britische Unterhaus gewählt, wo er bis zu seinem Tod tätig war. Hier setzte er sich für den Freihandel und die Aufhebung der Corn Laws ein. Seine politischen Positionen wurden von einem ausgeprägten Idealismus getragen. 

Freundschaften verbanden ihn mit James Mill, Thomas Robert Malthus und Jeremy Bentham.

Ökomomisches Werk

David Ricardo veröffentlichte 1817 Principles of Political Economy and Taxation und entwickelte die Theorie der komparativen Kostenvorteile, einem Kernpunkt der Außenhandelstheorie. Nach Ricardo lohnt sich Außenhandel für alle Volkswirtschaften, auch für jene, die gegenüber anderen Staaten bei allen Gütern Kostennachteile haben. Weitere wichtige Schriften Ricardos sind Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock (1815), worin er die freie Korneinfuhr empfahl und die 1820 verfasste Essay on the Funding System, worin er Steuererhöhung statt der Anleihen forderte.

Ricardo konnte sich gemeinsam mit Robert Torrens mit der These durchsetzen, wonach die Basisgeldmenge begrenzt werden müsse. Damit war die gegenteilige These John Fullartons und Thomas Tookes widerlegt, wonach der Geldbedarf einer Volkswirtschaft sich ganz von alleine regeln würde. 

Ricardos Name ist eng verknüpft mit derjenigen Theorie der Grundrente, welche die Entstehung der letzteren darauf zurückführt, dass von verschiedenen vorhandenen Bodenqualitäten die besseren nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken, und deshalb der Preis der Bodenprodukte so hoch stehen müsse, dass die Kosten für Bebauung des schlechtesten noch unentbehrlichen Grundstücks gerade gedeckt würden.

Ricardos pessimistische Haltung zum technischen Fortschritt, wie sie später auch Marx teilte, gilt heute als wenig plausibel. Der Marxismus beinhaltet außerdem Ricardos Definition von Wert, wonach dieser von der menschlichen Arbeit abhängt, der an der Ware verrichtet wurde. Marx baute darauf seine Version der Arbeitswertlehre und seine Theorie vom Mehrwert auf. 

Heute spricht man von der „Neoricardianischen Schule“, wenn Wirtschaftswissenschaftler wie Joan Robinson oder Piero Sraffa auf Teile von Ricardos Theorie zurückgreifen. Ricardos "Kornmodell" gilt auch als ein frühes Beispiel einer Ein-Gut-Parabel. Nach Ricardo ist auch die sogenannte Ricardianische Äquivalenz benannt. 

Ricardo zu Ehren führte später der Lehrstuhl der politischen Ökonomie an der Londoner Universität seinen Namen. Er starb am 11. September 1823 in Gatcombe Park und hatte er ein sehr großes Vermögen angesammelt.


Quellen