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Eugen Richter

Manchesterliberaler deutscher Politiker und Publizist

 

Beruflicher und privater Werdegang

Eugen RichterEugen Richter wurde am 30. Juli 1838 in Düsseldorf als Sohn des geboren  Regimentsarztes Adolf Leopold Richter geboren. Von seinem Vater erhielt einer eine umfassende liberale Ausbildung. Er besuchte zunächst das Gymnasium in Koblenz und studierte von 1856-1859 Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, Berlin und Heidelberg; dort hörte er bei dem berühmten Nationalökonomen Karl Heinrich Rau. 1959 lege er sein erstes juristischen Staatsexamen ab und war schon während seines Studiums journalistisch und politisch tätig. Richter verkehrte in den freihändlerischen Kreisen um John Prince-Smith und Hermann Schulze-Delitzsch. Richter nahm an Sitzungen des Kongresses deutscher Volkswirte teil und eignete Richter umfangreiches ökonomisches und finanzpolitisches Wissen an.

Nach seinem Referendarsexamen arbeitet er 1861 als Jurist in Düsseldorf als Regierungsreferendar. In seiner wirtschaftsliberalen Schrift Über die Freiheit des Schankgewerbes kritisiert er das restriktive und nicht gesetzlich fixierte Vorgehen der preußischen Gewerbepolizei und erhält 1862 von der Düsseldorfer Regierung einen disziplinarischen Verweis. Ihm droht die Entlassung aus dem Staatsdienst, nachdem seine, zwar anonym veröffentlichte, Satire  Magdeburger Spukgeschichte, über einen konservativen Verein in Magdeburg, ihm zugeordnet werden kann.

Im Oktober 1864 verweigert es nach seiner einstimmigen Wahl zum Neuwieder Bürgermeister die erforderliche Bestätigung durch die preußischen Behörden und scheidet darauf hin auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst aus. Er arbeitet zwischendurch als Versicherungsangestellter und lässt sich 1866 als freier Journalist für die "Elberfelder Zeitung" ist er als Parlamentsberichterstatter nieder. Er wird als Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei einer der ersten deutschen Berufspolitiker. Von 1885 bis 1904 war er Inhaber und Herausgeber der Freisinnigen Zeitung und veröffentlicht innerhalb von drei Jahren fast 50 politische Broschüren. Eugen Richter starb am 10. März 1906 in Lichterfelde (heute Teil Berlins). 

Politischer Werdegang

Nach seinem Eintritt in die Deutsche Fortschrittspartei wird Eugen Richter 1867 Mitglied im konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes und war von 1869-1905 Mitglied des preußische Abgeordnetenhaus. Im Jahre 1969 trat Richter erneut mit einer kritischen Schrift in Erscheinung: Das preußische Staatsschuldenwesen und die preußischen Staatspapiere. Mit dieser Veröffentlichung erreicht Richter eine allgemeine Anerkennung als Finanzfachmann und nahm im Parlament zunehmend zu Fragen der Haushaltspolitik Stellung. Hierbei kommt ihm seine Ausbildung aus der Studienzeit zu Gute.

Bei der ersten Reichtagswahl 1871 wird Richter in seinem Wahlkreis Schwarzburg-Rudolstadt als Abgeordneter gewählt, während der Zeit von 1874-1906 vertritt er den Wahlkreis Hagen-Schwelm. Nach dem Tod von Leopold Freiherr von Hoverbeck im Jahre 1875 wird Richter Fraktionsvorsitzender der Deutschen Fortschrittspartei und übernimmt 1884 die Führung der neu gegründeten Deutschen Freisinnigen Partei, später (1893) Freisinnige Volkspartei (Graphik). Er zählte neben dem Parteiführer des Zentrum, Ludwig Windthorst (1812-1891) und dem Sozialdemokraten August Bebel zu den wortgewandtesten Abgeordneten im Reichstag und war dessen Oppositionsführer.  

Politisches Wirken

Eugen Richter präge 1896 mit seinem Ausspruch: „Die wirtschaftliche Freiheit hat keine Sicherheit ohne politische Freiheit, und die politische Freiheit findet ihre Sicherheit nur in der wirtschaftlichen Freiheit.“ das Prinzip des Liberalismus, dem er sich stets verpflichtet fühlte immer mit dem Ziel vor Augen, die Freiheit des Individuums, gegenüber einer zu starken Einflussmacht des Staates zu verteidigen.

Er gehörte zu den schärfsten Kritikern der Politik des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Richter verurteilt den Kulturkampf, mit dem Bismarck die ultramontane katholische Kirche in Preußen eindämmen wollte und wandte sich vom traditionellen Antiklerikalismus der Liberalen, zugunsten der Auffassung, Staat und Kirche hätten getrennt zu sein und keinerlei Einfluss aufeinander auszuüben, ab. Ebenso war er gegen das Sozialistengesetz, das er als Missbrauch staatlicher Gewalt ansah und bekämpft zugleich die sozialdemokratische Arbeiterbewegung, den aufkommenden Antisemitismus und die entstehenden antisemitischen Parteien. Richter: "Die antisemitische Bewegung erscheint bei weitem verwerflicher als die sozialistische Agitation. Sie richtet sich nicht bloß gegen äußere Besitzverhältnisse, sondern gegen die Menschen an sich und ihre Abstammung."

Er war davon überzeugt, dass Handelsbeschränkungen durch die Verteuerung der lebensnotwendigen Güter gerade den kleinen Leuten schaden, wendet sich Richter als einer der wichtigsten Politiker des Manchesterliberalismus energisch gegen die Schutzzollpolitik Bismarcks und setzte sich für den Freihandel ein. Richter lehnt die Kolonialpolitik ebenso wie die neue Flottenpolitik und den massiven Ausbau der Kriegsflotte ab. Er sah darin einen gefährlichen Gegensatz zu den Kolonialmächten, insbesondere England.

Ebenso greift er die Sozialgesetzgebung und die Einführung der Krankenversicherung für Arbeiter an. In seinen Augen bevorzugen diese Gesetze den Industriearbeiter auf Kosten der noch ärmeren Landarbeiter und zerstören zugleich die gewachsenen sozialen Selbsthilfestrukturen. Eugen Richter: "Wenn nun schließlich der Staat immer mehr Verantwortlichkeit übernimmt ... und sich immer weniger als leistungsfähig herausstellt ..., dann kehrt sich zuletzt ... Unzufriedenheit, die mehr und mehr sich ansammelt, gegen den Staat selbst." Als Herausgeber der Freisinnigen Zeitung, opponiert er gegen jegliche staatlichen Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft.

Nachdem im Jahre1891 das Sozialistengesetz nicht mehr verlängert wird, beschreibt Richter in der Schrift Sozialdemokratische Zukunftsbildern ein düsteres Bild einer sozialistischen Revolution, die als staatliche Diktatur daher kommt. Das in zwölf Sprachen übersetzte Buch wird von 1945 bis 1989  in Form der DDR bittere Realität.

Friedrich Naumann über Eugen Richter: "Er hatte das Schicksal, das Rückzugsgefecht des deutschen Liberalismus führen zu müssen, und konnte dabei wenig wirklich frohe Tage erleben.“ Mit Eugen Richter ging der entschiedene Liberalismus in Deutschland zu Ende, er war der letzte liberale Politiker der Kaiserzeit. Mit seinem Tod ging letzt endlich der Kampf, den die Liberalen während des Deutschen Kaiserreiches führten, gegen rechts und links, gegen Regierung und Sozialismus sowie gegen staatliche Anmaßung und revolutionäre Bedrohung, zum endlosen Schaden Deutschlands und Europas verloren.

"Richters entschiedener Liberalismus ist heute - in Krisenzeiten des bürokratischen Wohlfahrtsstaates - aktueller denn je. Insofern sind Geschichtsbilder zu revidieren, die Richter als manchesterliberales Fossil abstempeln, und ihn gegenüber dem als fortschrittlich - weil "sozial-liberal" - gewürdigten Friedrich Naumann herabstufen. Das Gegenteil ist der Fall. Richter geißelte beispielhaft den "Staatssozialismus" bismarckscher oder bebelscher Prägung sowie den Nationalismus gouvernementaler, "liberaler" oder völkischer Provenienz als kollektivistische Gegenbewegungen zur urliberalen Individualitätsphilosophie und Freihandelslehre. Demgegenüber machte Friedrich Naumann mit seiner diffusen geistigen Vermengung von Staat, Volk, Nation und Kultur, seiner fatalen Konzeption vom "sozialen Kaisertum" sowie seiner Verklärung von Arbeiterbewegung und Großbetrieb so weitreichende Konzessionen an den Kollektivismus seiner Zeit, dass er rückblickend - bei aller Wertschätzung für seine persönliche Ausstrahlung - eher als Verkörperung deutschen "Sonderwegs"-Denkens, denn als Säulenheiliger des wilhelminischen Liberalismus gewertet werden kann." Claus Füßmann, Leiter des Veranstaltungsprogramms der Theodor-Heus-Akademie, Gummersbach.Eugen-Richter-Turm

Eugen-Richter-Turm

Die Stadt Hagen hat seinem Reichstagsabgeordneten zu Ehren 1911 einen Turm erbaut. Er soll an den einflussreichenGegenspieler Otto von Bismarcks, der den  in der Zeit zwischen 1874 und 1906 sowohl im Reichstag als auch im preußischen Abgeordnetenhaus vertrat erinnern.

Der Turm liegt oberhalb des Stadtteils Wehringhausen auf einem deutlich höheren Bergrücken, mit einer Höhe von 285 m und hat einer Gesamthöhe von 23 Metern, gegenüber dem Hagener Bismarck-Turm und unterstreicht die Wertschätzung des liberalen Politikers gegenüber dem Reichskanzler.

Der Eugen-Richter-Turm ist eine Doppelturmanlage aus Bruchstein, über dem rechteckigen Sockelgeschoss erhebt sich der Turm als Achteckturm. In der Ehrenhalle im Sockelgeschoss befanden sich ursprünglich Büsten von Freiherr vom Stein, Diesterweg, Natorp und Harkort.


Weiterführende Links und Quellen

Eugen-Richter-Institut

Deutsches Historisches Museum

Friedrich-Naumann-Stiftung

Liberty.li

Klaus Füßmann über Eugen Richter

Literatur von Eugen Richter


Europa

Deutschland

Österreich

Schweiz

Deutsche Gemeinschaft

Lichtenstein

 

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