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Der Wirtschaftsliberalismus

«Den meisten Argumenten gegen den freien Markt
 liegt der fehlende Glaube an die Freiheit an sich zugrunde.»
Milton Friedman

Die Grundlage der Ökonomie

Ökonomisch betonen Liberale das Recht auf privates Eigentum, da nur dieses die Freiheit des Einzelnen gewährleistet. Die Begründung liegt in naturrechtlichen Argumentationsmustern oder primär in der Effektivität eines auf Privateigentum basierenden Gesellschaftssystems. Naturrechtliche Begründungen dieser Art finden sich in Ansätzen bei Hugo Grotius und Samuel Pufendorf und werden von John Locke ausformuliert.

Die auf Effizienz beruhende Argumentation stellt fest, dass der Markt für die optimale Zuordnung der Ressourcen sorgt. Der freie Wettbewerb stellt dabei das optimale Steuerungsinstrument der Wirtschaft dar. Sowohl staatliche Wettbewerbshemmnisse (z.B. Steuerprivilegien, Schutzzölle, Gebührentabellen) als auch Unternehmenskonzentrationen sind eine Bedrohung des Wettbewerbs.

Die Grundlage der Theorie

Der freie Markt

Adam Smith wies nach, dass der Markt, die Steuerung von Art, Preis und Menge der Sach- und Dienstleistungen über Angebot und Nachfrage, für die effizienteste Allokation der Ressourcen ist. Diese Art der Selbstorganisation begründete er in seinem Werk Der Wohlstand der Nationen, wonach eine unsichtbare Hand das Zusammenspiel der Marktteilnehmer leitet. Ohne es zu beabsichtigen, wird jeder Einzelne, auch wenn er nur egoistischen Zielen verfolgt, trägt zum Gemeinwohl bei. Diese Regel des freien Markts ist unumstößlich und trifft immer zu, insofern wurde sie nicht von Smith entwickelt, sondern entdeckt. Wer gegen diese Gesetzmäßigkeit verstößt, bekommt ein Ungleichgewicht.

Jeder Eingriff in den Staat, seien es Schutzzölle oder Subventionen behindern den freien Wettbewerb und damit das Optimum der wirtschaftlichen Entfaltung. Das Saysche Theorem, benannt nach Jean Baptiste Say, besagt: ohne staatlichen Eingriff, ist stets in Markgleichgewicht erreicht.

Der Markt nicht Recht oder Unrecht, er Produziert nur Ergebnisse, von daher gibt es auch kein Marktversagen. Von einem Marktversagen könnte man allenfalls dann sprechen, wenn man einen Idealzustand unterstellt oder die Entwicklung von einem ebenfalls unterstellten Gleichgewicht abweicht. Menschen können sich irren, sie begehen Fehler und treffen Fehleinschätzungen. Dafür hat der Markt eine Korrekturschleife eingebaut: das Scheitern bei der Befriedigung von Kundenwünschen im Wettbewerb mit erfolgreicheren Konkurrenten. Politische Eingriffe in den Markt verhindern hingegen die Chance auf eine selbstständige Korrektur. Diese Eingriffe unterliegen dem dem Urteil von Menschen die sich irren können. Die Zukunft wird zeigen, was das Eingreifen der Politik in die Korrektur des Marktes aufgrund der "Krise" 2008 gebracht hat. 

Der freie Handel

Der Ökonom David Ricardo zeigte in seiner Theorie der Komparative Kostenvorteile die Vorteile des Freihandels. Der freie Handel trägt zur Förderung von weltweitem Wohlstand bei.

Die Globalisierung im Sinne des Abbaus von tarifären (Schutzzölle) und nicht-tarifären Handelshemmnissen ist zu befürworten. Die Subventionierung bestimmter Wirtschaftszweige durch den Staat hingegen führt zu Ungleichverteilung und Armut auf der Welt. So haben es zum Beispiel Entwicklungsländer schwer, gegenüber der hochsubventionierten europäischen Agrarwirtschaft konkurrenzfähig zu bleiben. Industriestaaten dürfen von daher nicht nur von den Entwicklungsländern Handelsfreiheit fordern, sondern müssen dieses auch für das eigene Land umsetzen. Entwicklungsländer können nur dann faire Chancen auf dem Weltmarkt erhalten, wenn sämtliche Handelsschranken zu anderen Ländern abgebaut sind und die Bevorzugung der heimischen Produkte durch Subventionen unterbunden ist. 

Der Vorrang von Privateigentum und privatwirtschaftlichen Regelungsformen gegenüber staatlichem Einfluss wird auf die ökonomische Theorie der Verfügungsrechte abgeleitet. Es nicht Aufgabe von Regierungen, unternehmerisch tätig zu werden. So steigt der volkswirtschaftliche Wohlstand, je mehr Eigentum sich in privater Hand befindet. Im Gegensatz zu sozialistischen Regelungsformen wo es zwangsläufig zur so genannten Tragik der Allmende kommt.

Entgegen liberalen Prinzipien verpflichtet Eigentum im deutschen Grundgesetz  zur Beachtung des Gemeinwohls. Eine solche Eigentumsverpflichtung war in der EU-Verfassung [pdf] nicht vorgesehen.

Die Grundlagen der Philosophie

Jeder hat die Freiheit, alles zu tun, was er will, sofern er nicht die Freiheit eines anderen verletzt. John Stuart Mill formulierte dieses allgemeine liberale Prinzip so: "dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist: sich selbst zu schützen. Dass der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten." 

Daraus ergeben sich auf den Bereich der wirtschaftlichen Handlungen bezogen die Forderungen nach Vertragsfreiheit, Gewerbefreiheit, Konsumentenfreiheit, freie Wahl des Berufs und des Freihandels.

Nach John Locke betonen Liberale das Recht auf privates Eigentum, da nur dieses die Freiheit des Einzelnen gewährleist. Der Einzelne besitzt Eigentum an seinem Körper und folglich auch an der Arbeit seines Körpers. Er ist auch berechtigt, Dinge aus dem Naturzustand zu reißen, wenn er diese bearbeitet hat (beispielsweise den Boden, den jemand das erste mal bearbeitet). Ist das Objekt aus dem Naturzustand gerissen, kann es dann nur noch durch Schenkung oder Tausch den Eigentümer wechseln, Zwang ist ausgeschlossen. Beispielsweise Argumentieren die US-amerikanischen Gründerväter, Robert Nozick oder Ayn Rand in dieser Tradition und wird die Idee des klassischen Liberalismus - explizit ohne naturrechtliche Komponente - von Jeremy Bentham und John Stuart Mill vertreten.

Der klassische Liberalismus

Er entwickelte sich vor allem in England und Schottland und begründet eine enge Verbindung zwischen politischer Freiheit und Privateigentum. Berühmte Vertreter des klassischen Liberalismus waren John Locke, Adam Smith, David Hume und John Stuart Mill. Der Volkswirt und Publizist Roland Baader gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Anhänger des klassischen Liberalismus. Adam Smith gilt auch als Vater der Nationalökonomie. Berühmt wurde sein Konzept der unsichtbaren Hand: das eigennützige Streben der Menschen trägt zum Wohl der gesamten Gesellschaft bei. Weiter wird die Idee des klassischen Liberalismus - explizit ohne naturrechtliche Komponente - von Jeremy Bentham vertreten, auf ein sozialdarwinistisches Extrem von Herbert Spencer getrieben und findet sich in der neueren Theorie beispielsweise bei James M. Buchanan oder Robert Axelrod.

Nach der klassischen Theorie ist der Wettbewerb das optimale Steuerungsinstrument der Wirtschaft. Die Voraussetzung eines freien Leistungswettbewerbs ist die Beseitigung staatlicher Wettbewerbshemmnisse durch zum Beispiel den besonderen Schutz von Berufsständen, Subventionen oder Preisbindungen. Monopole werden in einem freien Markt prinzipiell verhindert und langfristig führt dies zu einer relativ gleichen Verteilung des Eigentums. Die klassischen Liberalen haben ebenfalls eine Moralphilosophie, woraus sich der Manchesterliberalismus entwickelte. Richtig verstandener Liberalismus ist sozial. „Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch.“ Ludwig Erhard

Die Marktgesetze sind grundsätzlich nicht gut oder schlecht, sie sind einfach da. Man kann das Gesetz von Angebot und Nachfrage ebenso wenig abschaffen wie die Schwerkraft, es handelt sich quasi um ein Naturgesetz. Auch in der Sowjetunion und in der Volksrepublik China wirkten die Marktgesetze und war nicht westliche Sabotage, die das Wirtschaftssystem der kommunistischen Staaten zerfallen ließ. Diese Marktgesetze waren es, die in den westlichen Industriestaaten zu steigendem Wohlstand führten.  Es unsinnig, den Markt für negative Entwicklungen verantwortlich zu machen wie darüber zu diskutieren, wie viel Markt man braucht, oder wie über die Frage zu streiten, wie viel Schwerkraft auf der Erde optimal wäre.

Ob „soziale Marktwirtschaft", „Sozialstaat", „Interventionismus", Bürokratie oder „Dritte Wege": Alle diese von einer freien Marktwirtschaft mehr oder weniger weit abweichenden Krüppel-Marktwirtschaften sind Variationen einer staatsverseuchten Marktwirtschaft. Roland Baader

Die Entstehung der neuen liberalen Lehre (Neoliberalismus)

In den 1930er und 1940er Jahren, die von Interventionismus, Protektionismus, zentraler Wirtschaftslenkung und Totalitarismus geprägt waren, gab es eine Rückbesinnung auf die Ideen des Liberalismus. Aus Sicht der Ökonomen hatte man mit der Marktwirtschaft zwischen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und den 1930er Jahren, negative Erfahrungen gemacht und sah eine Notwendigkeit zur Neuformulierung. Der klassische Liberalismus des 19. Jahrhunderts betrachtete den Markt als etwas Naturwüchsiges. Er ging davon aus, dass wenn der Staat sich nicht einmischt, das eigennützige Streben der Individuen das Gemeinwohl am Besten fördere (Adam Smith: Unsichtbare Hand des Marktes [pdf]). Neoliberale Vordenker sahen die Gefahr, dass ein ungeregelter Markt dazu tendieren kann, durch die Bildung von Monopolen den Wettbewerb aufzuheben und dadurch seine eigene Grundlage zu zerstören. Markt ist nach Auffassung des neuen Liberalismus daher nicht naturwüchsig, sondern muss durch den Staat gewährleistet werden. In diesem Punkt irrt der Neoliberalismus, ein provates Monopol stellt keinen Nachteil da. 

Im September 1932 umriss Alexander Rüstow  auf einer Tagung des Vereins für Sozialpolitik das neoliberale Credo: „Der neue Liberalismus jedenfalls, der heute vertretbar ist, und den ich mit meinen Freunden vertrete, fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört. Und mit diesem Bekenntnis zum starken Staat im Interesse liberaler Wirtschaftspolitik und zu liberaler Wirtschaftspolitik im Interesse eines starken Staates – denn das bedingt sich gegenseitig, mit diesem Bekenntnis lassen Sie mich schließen.“

Im Neoliberalismus gibt es auch eine Form der Sozialen Grundsicherung, wenngleich ein Liberaler niemals die politische Idee der Sozialen Gerechtigkeit im Sinne von Umverteilung verfolgen würde. Arbeit ist die sozialste Form der Sozialen Gerechtigkeit. In den 1940er Jahren wurde von Juliet Rhys-Williams die Idee der negativen Einkommensteuer als eine solche Soziale Grundsicherung entwickelt. In den 1960er Jahren war es dann Prof. Dr. Milton Friedman von der Universität von Chicago, der die Idee wieder aufgriff. Friedmann erhielt 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Das Programm der Chicagoer Schule wurde vor allem seit den späten 1980er Jahren wirksam. Die Wirtschaftspolitik von Margaret Thatcher und Ronald Reagan berief sich auf das wissenschaftliche Fundament der Chicagoer Schule.

Die Neoklassik wurde zur weltweiten Bewegung, als in den 1970er und 1980ger Jahren klar wurde, dass die sozialistischen Planungs- und Interventions-Programme fehlgeschlagen waren. In den westlichen Industrieländern und erstaunlicherweise auch in den Nationen des ehemaligen Warschauer Paktes bekannten sich Politiker auf einmal als Schüler von Hayek und Friedman. Dieser Liberalismus ist heute sogar noch stärker als der klassische Liberalismus vor hundert Jahren.

Die meisten Wirtschaftsordnungen der westlichen Industrienationen, insbesondere die Soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland, basieren heute auf den grundlegenden Prinzipien des Neoliberalismus.

Die Ziele der Sozialen Marktwirtschaft

Die Soziale Marktwirtschaft strebt eine vorwiegend marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung (mit den entsprechenden Gestaltungsmerkmalen wie z.B. privates Eigentum an den Produktionsmitteln, freie Preisbildung, Wettbewerbs- und Gewerbefreiheit) an und tritt darüber hinaus für marktkonforme Eingriffe des Staates ein, wenn der Marktmechanismus versagt oder nicht zu den gesamtgesellschaftlich wünschenswerten Ergebnissen führt. Eingriffe der Regierungen sind dann von Nöten, wenn sie

  • der Monopol- und Kartellkontrolle

  • dem sozialen Ausgleich

  • der Chancengleichheit

  • der Internalisierung externer Effekte dienen.

Die Soziale Marktwirtschaft wendet sich ausdrücklich gegen jede Art monopolistischer und gruppenegoistischer Machtentfaltung (Lobbyismus), sowie gegen willkürliche staatliche Eingriffe wie z.B. marktverzerrende Subventionen oder Schutzzölle. Weiterhin definiert sich der Neoliberalismus einerseits durch eine scharfe Ablehnung totalitärer Gesellschaftssysteme (weshalb er in den Ländern Lateinamerikas keinen durchschlagenden Erfolg haben konnte) sowie zentraler Wirtschaftslenkung, anderseits durch eine unmissverständliche Abkehr vom Laisser-faire des klassischen Liberalismus.

Die neoklassische Marktwirtschaft

Wirtschaftsliberale Schulen

Die Freiburger Schule - Ordoliberalismus

Der Ordoliberalismus ist deutsche Variante des Neoliberalismus. Er steht für eine privatwirtschaftlich organisierte Marktwirtschaft. Er diente zusammen mit der christlichen Soziallehre der CDU in Deutschland als Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft. Der Ordoliberalismus tauchte erstmals in dem 1937 von der Freiburger Schule (Walter Eucken, Franz Böhm, Hans Großmann-Doerth) herausgebrachtem Heft Ordnung der Wirtschaft auf. Sie wurde dann 1939 auf einer Konferenz in Genf dargelegt und wird seitdem auch als dritter Weg (zwischen Etatismus bzw. Planwirtschaft auf der einen und dem Laisser-faire-Liberalismus auf der anderen Seite) bezeichnet.

Neben den Genannten gelten auch Wilhelm Röpke, Alexander Rüstow, Leonhard Miksch, Alfred Müller-Armack, Erwin von Beckerath als der Freiburger Schule nahe stehend. 

Ziel des Ordoliberalismus ist es, einen Ordnungsrahmen zu setzten, innerhalb dessen die einzelnen Akteure einer Volkswirtschaft freie Entscheidungen treffen; der Staat ist der Garant des Wettbewerbs. „Denn auch das Recht der freien Marktwirtschaft anerkennt die Freiheit nur im Rahmen der Ordnung. Bei einem Konflikt zwischen Freiheit und Ordnung kommt dem Gesichtspunkt der Ordnung unbedingter Vorrang zu“ (Franz Böhm 1937)

Chicagoer Schule

Der Begriff der Chicagoer Schule bezeichnet jeweils eine institutionalisierte Forschungsrichtung in der Wirtschaftswissenschaft und der Soziologie, die beide im 20. Jahrhundert an der University of Chicago entstanden sind.

Der Ausdruck Chicagoer Schule bezeichnet Ökonomisch ein im 20. Jahrhundert an der University of Chicago, Ende der 1920ger Jahre von Frank Knight entwickeltes Programm. Die volkswirtschaftliche Fakultät der University of Chicago gehört seit der Gründung zu den bedeutungsvollsten Forschungsstätten in den USA und ist zunächst bekannt für Meinungsvielfalt und Methodenpluralismus. 

Angezogen vom konservativen Dekan Laurence Laughlin lehrten unter anderem so unterschiedliche Ökonomen wie Thorstein Bunde Veblen, Wesley C. Mitchell, Alvin Johnson, John Maurice Clark und Walton Hamilton. Die Wurzeln dieser Chicagoer Schule reichen in die 1930er Jahre zurück. In dieser Zeit lassen sich drei Gruppen innerhalb der Wirtschaftsfakultät identifizieren: zunächst der so genannte harte Kern der späteren Chicago-Schule – bestehend aus dem Trio Frank Knight, Jacob Viner und Henry Simons. Eine zweite Gruppe, die als Institutionalisten bezeichnet werden kann; und schließlich eine dritte heterogene Gruppe von quantitativ orientierten Ökonomen. Aus dem Wechselspiel zwischen Frank Knight und Jacob Viner entwickelt sich ein Zirkel, zu dessen wichtigsten Mitgliedern Milton Friedman, seine spätere Frau Rose Director, George Stigler, Allen Wallis sowie die jüngeren Dozenten Aaron Director und Henry Simons gehören. Der intensive Austausch mit Frank Knight lässt die Gruppe zur Keimzelle einer eigenen Richtung innerhalb der Fakultät erstarken.

Als Milton Friedman von der Columbia University als Professor nach Chicago 1946 zurückkehrt, findet die Chicagoer Schule zum erstmals Erwähnung. Emeritierungen, Todesfälle sowie Wegberufungen haben die Fakultät deutlich geschwächt. Friedman hat sich zu dieser Zeit besonders um den Aufbau seiner eigenen Reputation bemüht. Er gilt heute als bekanntester Vertreter der Chicagoer Schule.

1950 bis 1962 hatte auch von Hayek einen Lehrstuhl an der Universität Chicago als Professor für "Social and Moral Sciences" im "Committee on Social Thought". Allerdings nicht in der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung, wie er gehofft hatte. 

Die Österreichische Schule

Als eigentlicher Begründer der Schule gilt Carl Menger mit seinen 1871 erschienenen Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre. Darin löste er das so genannte klassische Wertparadoxon mithilfe der Betrachtung des Grenznutzens. Diesen Weg hatten vor ihm bzw. gleichzeitig, allesamt unabhängig voneinander, bereits Hermann Heinrich Gossen, Léon Walras und William Stanley Jevons eingeschlagen. In diesem Punkt sind sich die neoklassischen Schulen entsprechend einig.

Widerspruch in der deutschen Wirtschaftswissenschaft kam insbesondere von der Historischen Schule um Gustav von Schmoller, die in Preußen vorherrschend war und einen relativistischen Ansatz vertrat. Menger hielt dagegen die ökonomischen Gesetze nicht für historisch relativ, sondern logisch objektiv erkennbar. Die unterschiedlichen Ansätze führten zum Methodenstreit der Nationalökonomie, in dem Menger vor allem von Eugen von Böhm-Bawerk, dem zweiten Begründer der Schule, und Friedrich von Wieser unterstützt wurde. Der Ausdruck Österreichische Schule (oder auch Wiener Schule) wurde dabei zunächst von Vertretern der historischen Schule gebraucht und sollte den Kreis um Menger als provinziell abwerten. Die „Österreicher“ übernahmen ihn aber bald selbst und zitierten später gerne polemisch ihre Gegner, die sich selbst zunächst positiv meinend als „intellektuelle Leibgarde des Hauses Hohenzollern“ bezeichnet hatten. Der zweite wichtige Punkt, in dem sich die Österreichische Schule von anderen Neoklassikern abhebt, ist ihre frühe Auseinandersetzung mit dem Marxismus und ihre radikale Ablehnung jeder Art von Sozialismus und Planwirtschaft. Dies geht vor allem auf von Böhm-Bawerk zurück, der in seinem Werk Kapital und Kapitalzins (1884 - 1889) Mengers Werk erweiterte und dabei die Arbeitswerttheorie von Karl Marx – die für den Marxismus als grundlegend gilt – systematisch widerlegte, während viele andere Ökonomen sich erst nach der Oktoberrevolution 1918 mit dem Marxismus beschäftigten. Die zweite Generation der österreichischen Schule bildete fast alleine Ludwig von Mises, der von Böhm-Bawerks Theorien seinerseits ausbaute und mit seinem Werk Die Gemeinwirtschaft (1922) in Anspruch nahm, den Sozialismus endgültig widerlegt zu haben. Auf Mises geht auch die Einbettung des Wirtschaftsliberalismus in einen alles staatliche Handeln umfassenden Liberalismus zurück, weswegen die Österreichische Schule oft in Zusammenhang mit dem klassischen Liberalismus, der einen Nachtwächterstaat fordert, gebracht wird, im Gegensatz etwa zum Sozialliberalismus, aber auch zum Ordoliberalismus.

Bedeutende Nachfolger Mises' waren Friedrich August von Hayek und Murray Rothbard. Hayek erweiterte das System insbesondere um eine Konjunkturtheorie, brachte sie in scharfen Gegensatz zum Keynesianismus und lenkte, hierin Mises folgend, das Augenmerk auf die Wichtigkeit von Informationen im Wirtschaftsprozess. Er stellte auch Gedanken zu politischen, juristischen und kulturellen Implikationen und Ausbaumöglichkeiten an. Dabei hielt er allerdings engen Kontakt zum nach dem Zweiten Weltkrieg neu entstandenen Ordoliberalismus, was für beide Seiten befruchtend wirkte. Rothbard hingegen entwickelte die Lehren Mises' weiter zu einem radikalen kapitalistischen Libertarismus, dem Anarchokapitalismus. Von Hayek entwickelte bis zu seinem Tode die Ideen der Schule zu einer dynamischen Theorie sozialer Institutionen weiter. Er ist ideengeschichtlich mit dem Chicagoer Programm verwandt.

Erfolgreiche Beispiele des Liberalismus

Als das wohl bedeutendste Beispiel liberaler Politik gilt die Politik Ludwig Erhard (1949–1963 Bundeswirtschaftsminister, 1963–1966 Bundeskanzler), dieser deutsche Weg wird Ordoliberalismus genannt. Erhard und sein Staatssekretär Alfred Müller-Armack, der den Begriff  Soziale Marktwirtschaft prägte, waren beide Wirtschaftswissenschaftler, Vertreter der Freiburger Schule und Mitglieder der Mont Pèlerin Society und hatten regelmäßigen Kontakt zu den führenden Vertretern des Liberalismus wie Eucken, Röpke, Böhm und Hayek. 

Als Experimentierfeld für die liberale Wirtschaftspolitik moderner Prägung gilt Chile. Von Milton Friedman stammt der Begriff des „Wunders von Chile“. Er wunderte sich über die liberale ökonomische Ausrichtung des ansonsten diktatorischen Regimes. Ronald Reagan („Reaganomics“) in den USA und Margaret Thatcher („Thatcherismus“) im Vereinigten Königreich waren die ersten bedeutenden Politiker, die liberale Programme in den Industriestaaten umsetzten. In allen diesen Volkswirtschaften wurde aber kein politischer Liberalismus praktiziert, da sowohl Reagan als auch Thatcher als Konservative einen strengen ordnungspolitischen Gesellschaftskurs fuhren.

Neuseeland hat einen radikalen Wechsel von einer der am stärksten regulierten zu einer sehr liberalen Volkswirtschaft vollzogen und gilt deshalb als Beispiel für liberale Politik. Subventionen wurden radikal gestrichen, die Sozialsysteme stark zurückgebaut. Staatsbetriebe wurden privatisiert, Agrarsubventionen abgebaut, Kapitalverkehrskontrollen abgeschafft, die Zentralbank erlangte Unabhängigkeit, und der Spitzensteuersatz wurde halbiert. Neuseeland hat heute eine der am stärksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt. Die Arbeitslosigkeit lag 2004 bei 3,6 Prozent und das Wirtschaftswachstum bei 4,4 Prozent; Neuseeland nahm damit in der OECD eine Spitzenposition ein.

Manche Kritiker bezeichnen alte Wirtschaftspolitik Argentiniens als liberal, was aber sachlich inkorrekt ist. In Argentinien wurden viele der im Washingtoner Konsensus formulierten Politikempfehlungen ignoriert und über Jahrzehnte eine exzessive Verschuldungspolitik verfolgt.

Liberale Denkfabriken

Friedrich Hayek dachte, dass zur Durchsetzung des Konzepts des neuen Liberalismus mit einem Prozess zu rechnen wäre, der über zwei bis drei Generationen dauern würde; er gründete 1947 mit 36 Liberalen, vorwiegend Ökonomen (darunter Walter Eucken, Milton Friedman, Frank H. Knight, Ludwig von Mises, Karl Popper, Wilhelm Röpke) die Denkfabrik Mont Pelerin Society. Diese hat sich – neben der Verteidigung von Freiheit und Rechtsstaat – die Förderung von Privateigentum und Wettbewerb zur Aufgabe gemacht, die als wesentlich für eine freie Gesellschaft angesehen werden. Weitere wichtige Institute wurden in der Folge gegründet, z.B. das Institute of Economic Affairs 1971 in London oder die Heritage Foundation 1973 in Washington. In Deutschland gibt es z.B. die Stiftung Marktwirtschaft und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder die von Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe gegründete The Property and Freedom Society.

Internationale Organisationen

Die WTO mit dem Ziel des weltweiten Freihandels vertritt liberale Forderungen, auch Weltbank und IWF werden oft mit dem Liberalismus in Verbindung gebracht. Seine Verbreitung als Konzept wurde von Ökonomen der Weltbank und des IWF nach dem Zweiten Weltkrieg vorangetrieben, als Antwort auf die Programme zur Förderung von Entwicklungsländern, die nicht den gewünschten Erfolg zeigten: Förderungen für Großprojekte ließen die armen Länder mit Schulden und geringem Wirtschaftswachstum zurück, die größere Bedeutung liegt aber in den 1970er Jahren als Versuch, eine strukturelle Krise zu beantworten (s. a. Konsens von Washington). Die Gewährung von Krediten an ein Land wird oft von der Durchführung liberaler Reformen (vgl. Strukturanpassungsprogramm) abhängig gemacht. Allerdings werden IWF und Weltbank auch von liberaler Seite kritisiert, z. B. wenn durch Begünstigung lokaler Machteliten marktverzerrende und interventionistische Politik betrieben wird. Auch das Weltwirtschaftsforum (WEF) wird von vielen in seinen Zielsetzungen als liberal angesehen.

Ob „soziale Marktwirtschaft", „Sozialstaat", „Interventionismus", Bürokratie oder „Dritte Wege": Alle diese von einer freien Marktwirtschaft mehr oder weniger weit abweichenden Krüppel-Marktwirtschaften sind Variationen einer staatsverseuchten Marktwirtschaft.
Roland Baader


Weiterführende Websites

Wirtschaftliche Freiheit - Zeigt einen ordnungspolitischen Blog von Autoren, die als Professoren Inhaber von ökonomischen Lehrstühlen an Universitäten in ganz Deutschland sind.

Forum Ordnungspolitik - Vorstellung eines Forums, das die Funktionsweise einer natürlichen, freiheitlichen Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft erläutern möchte.

Ordnungspolitischer Blog - Die Autoren wollen die ordnungspolitische Diskussion fördern und den Blick über tagespolitische Grabenkämpfe hinaus erweitern sowie auf sportliche Art Meinungen unzensuriert aber mit Niveau hinterfragen;

Ludwig von Mises - Wirtschaftlicher Liberalismus [pdf]

Ludwig von Mises - Interventionismus [pdf]


Quellen:

Adam Smith - Wohlstand der Nationen (1776)

Karl-Hermann Flach - Noch eine Chance für die Liberalen (1971)

John Locke - Über die Regierung (1669)

Milton Friedman - Kapitalismus und Freiheit (1962)

Rose und Milton Friedman - Chancen die ich meine (1980)

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaft Uni Hamburg [pdf]

Walter-Eucken-Institut 

Vanberg: Wettbewerbspolitik

Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft

mises.de - Die österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre


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